Double Dagger
»More«
Text:
Tobias Mull
Und plötzlich ist es wieder 1992. Alter, was war das für eine Zeit. Wir auf dem Dorf-Gymnasium. Flanellhemden und Loch-Jeans sind der Shit. Wir hören Fugazi, rauchen Gauloises und halten das für politische Aktion.
Double Dagger werfen mit ihrem dritten Album "More" den Fluxkompensator an, und ab geht's zurück in die Zukunft. Das Trio aus Baltimore bügelt gleich gut los. "No Allies" - und auch keine Gefangenen, möchte man anfügen.
Irgendwo zwischen Sebadoh, Henry Rollins und Mathrock. Irgendwo zwischen 1987 und 1994. Irgendwo zwischen holpern, poltern und Uhrwerk. Irgendwo zwischen "Ach du Scheiße, wie geil" und "Ach du Scheiße, mach aus". Für den Krach brauchen die studierten Grafikdesigner nicht mal 'ne Gitarre. Stimme, Bass und Schlagzeug reichen aus. Hätten sie doch auch auf die Stimme verzichtet. Oder zumindest auf die Fühlt-sich-jedes-Emo-Mädchen-verstanden-Texte. "How about give us something new? How about give us the truth?" krakeelt Sänger Nolen Strals zum Beispiel. Herrjemine, ihr wollt die Wahrheit? Die drei Jungs wären gerne Dosenbier - aber das ist auf dem Campus verboten. Oder sagen wir es so: "More" ist der feuchte Traum eines jeden 32-jährigen Indieboys mit Cordhose über den abgelaufenen Chucks. Die neue Scheibe von Allen Toussaint ist geiler.
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