The Felice Brothers
»Yonder Is The Clock«
Text:
Holger Wendt
Irgendwie ländlich, irgendwie provinziell mutet das Promofoto der Felice Brothers an: ein Gruppenfoto ohne Dame vor einem stattlichen alten Herrenhaus in den Catskill Mountains (NY).
Doch einer fehlt, nämlich derjenige, der die New Jorker Folker jüngst auf seinem Label Team Love untergebracht hat: Conor Oberst.
"Yonder Is The Clock" - das nunmehr dritte Album der Felice Brothers in drei Jahren - ist eine musikalische Glanzleistung, welche sich nicht nur auf der abgenutzten marktschreierischen Stimme von Ian Felice (und der heißt wirklich so) ausruht, sondern in fast schon mythischen Momenten Genregrößen wie Bob Dylan und Woody Guthrie zu alter Stärke zurückruft. Ganz weit vorne unter den Songs sind "Penn Station", "Run Chicken Run" und das herrlich pandemische "Memphis Flu" - alles in allem Hobo-Songs für die Tramperseele, welche auf dem Album so klingen, als hätten die Jungs ein altes Mikro auf die Veranda gestellt, um ihren staubigen Blues für die Nachwelt zu konservieren. Doch TFB sind mitnichten blanke Kopisten des Folk Rock der 60er, sondern eine eigenständige, sehr sehr erdige Americana- bzw. Roots-Rock-Band, die mithilfe von Klampfe, Fiedel und Akkordeon ihre eigenen Narrationen von Liebe, Tod, Verrat zu mythischen amerikanischen Erzählungen werden lässt.
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