The Field
»Yesterday & Today«
[Kompakt]
Text:
Felix Scharlau
Am Anfang übt Axel Willner noch Rücksicht: "Yesterday & Today" beginnt mit einem sage und schreibe fünfminütigen Fade-in, das den Hörer zaghaft in das bald hochverdichtete Schichten-Gewitter aus Beat, Ambient-Fläche und Musik-Zitat zieht.
Ein dramaturgischer Kniff, der die Referenzspanne, die dieses zweite Neo-Ambient-Album des Schweden aufmacht, bereits voll umreißt. Immerhin erzeugt das Schildkröten-Crescendo eine sich langsam aufbauende nervöse Atmo, wie sie normalerweise nur Debussy hinbekommt. Willner wird's recht sein.
Er verweist ohnehin ununterbrochen über den Tellerrand des ihm zugeschobenen Genres, fordert im - oberflächlich gesehen - monotonen Flow seiner Tracks pausenlos Neuverortungen beim Hörer ein. Das passiert eher seltener in Form von offenkundigen Schenkelklopf-Zitaten wie beim schönen, aber auch etwas überflüssigen Cover von The Korgis' 80er-Hit "Everybody's Got To Learn Sometime". Viel öfter zitiert Willner subtiler - entweder sich selbst, Genre-Fremdes oder -Immanentes. Wie die mongolischen Obertongesänge, die KLF in "Chill Out" vor 20 Jahren schon ihrem Publikum für dessen Drogenexperimente an die Hand gaben. Willner zitiert das Zitat und gemeindet so gleich mehrere Semantik-Ebenen ein. Das Ergebnis ist in gleichem Maße clever wie atmosphärisch. Wie überhaupt die ganze Platte.
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