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Jarvis Cocker

»Spalter: "Further Complications"; Pro & Contra«

Text: linus volkmann, Bernhard Przybilla
[2 Kommentare]

Wenn Ex-Pulp Jarvis Cocker mit dem Finger schnippt, gehen die Särge der Popkritiker noch mal auf, und alle stehen an, endlich mal wieder vom Meister bedient zu werden. Aber, Hand aufs Herz, gibt es da eigentlich überhaupt noch so viel zu holen?

PRO
Das ist eine faire Warnung: Einschätzungen von mir bezüglich Jarvis Cocker sind eigentlich das Letzte. Nach diesem unumstößlichen, epochalen Album "This Is Hardcore" habe ich noch auf jeden halbgaren Mist von Pulp und Jarvis abgegeilt. Ständig, so ich, sei es jetzt wieder so wie zur Klassikerzeit - und ständig stimmte es eigentlich gar nicht.


Klar, es entstanden Stücke wie "The Trees" oder "Cunts Still Running The World", aber es gab keinen Entwurf mehr, der als durchgehend weisungsbefugt angesehen werden konnte. Und "Further Complications" schien es auch nicht zu sein, beim halbherzigen Nebenbeihören in der Redaktion maulte Glamour-Queen Thomas Venker zwischen zwei Toilettengängen: "Nee, das bringt's doch alles nicht mehr." Nur um einige Tage später auf SchülerVZ verlauten zu lassen: "Bei Kaffee und Kuchen kann ich mich doch nicht mehr gegen diese Platte wehren, sie ist zu schön."

Genau. Spät kommt die Einsicht, doch sie kommt: Denn Cocker hat wieder deine innere Mitte gefunden und daraus Songs gemacht, spröde, rhythmisch staubtrocken - was der Zusammenarbeit mit Steve Albini geschuldet sein dürfte. Der bearbeitete nämlich das luxuriöse Ornament des King of Pomp mit dem Sandstrahler. Ungewöhnlich wenig Prunk bleibt so übrig und lässt dafür das Songwriting und die Stimme strahlen. Das Titelstück oder auch das sexy Stones-senile "Angela" sind eindeutige Hits. Überhaupt bekam endlich wieder durchgehend jeder Track seine kleine Melodie, seine überhebliche Punchline, also sein Stück Cocker'sche Unverwechselbarkeit ab. Zur Veröffentlichung des Albums hauste er übrigens eine Woche lang in einer Pariser Kunsthalle, man konnte dabei mit ihm jammen, sich Songs per Zuruf schreiben lassen und gemeinsam Yoga machen. Wie zur Pulp'schen Klassik, sag ich doch.
Linus Volkmann

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  • User: Intro
  • Intro 15.05.2009 | 13:38:00

    Wenn Ex-Pulp Jarvis Cocker mit dem Finger schnippt, gehen die Särge der Popkritiker noch mal auf, und alle stehen an, endlich mal wieder vom Meister bedient zu werden. Aber, Hand aufs Herz, gibt es da eigentlich überhaupt noch so viel zu holen?

  • User: fistROCK_Büchner
  • fistROCK_Büchner 21.05.2009 | 01:36:02
    Baronet
    also relaxed muscle als beispiel für angebliche fehlende halbwertszeit zu nehmen ist ein witz, weil dieses projekt als ebensolcher gedacht war und nicht unfair beurteilt werden sollte- bockt doch.
    man sollte froh sein, dass es solche exzentriker wie jarvis gibt auch wenn die erste soloplatte vielleicht etwas enttäuschte, nunja... außerdem ist we love life ein ganz tolles album!

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