Eisenvater / Japanische Kampfhörspiele
»Split«
[Power It Up / Cargo / VÖ 13.03.]
Text:
Ulf Imwiehe
Dieses Treffen der Generationen des fortgeschrittenen musikalischen Alarmismus dekliniert ein nur scheinbar beschränktes Genre durch: Eisenvater, die Hamburger Golden Oldies des matschig-psychotischen Monumentalkrachs, beweisen nach langer Pause, dass die Essenz des Grindcore eben nicht im Ausloten schieren Tempos liegt.
Stattdessen zeigt man sich dezidiert schleppend und malmend, die kolossalen Gitarren spleißen Nervenenden auf, und die verrätselt grüblerischen Texte weisen die Band auch heute noch als grimmige Cousins von EA80 aus. Ganz anders hingegen die vergleichsweise juvenilen Gentleman-Grinder aus Krefeld, die den zweiten Teil dieser Split-Mini bestücken.
So opulent wie selten zuvor lassen Japanische Kampfhörspiele Orchester-Blast mit schleifend gurgelndem Stomp kollidieren und positionieren sich erneut mit sympathischer Lässigkeit als Vordenker eines Musikstils, den viele völlig zu Unrecht als stumpfe Katharsis für speckscheitelige Weltenmüde abtun. Was hier zelebriert wird, ist vielmehr das Zen der Ungemütlichkeit - ein Rausch der Hektik und zermürbender Dissonanz. Und bei aller Knappheit der Spielzeit: Das hier vorgestellte Material macht neugierig auf die kommenden Alben beider Bands.
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