Grizzly Bear - Veckatimest Artikelbild (groß)
 
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Grizzly Bear

»Veckatimest«

[Warp / Rough Trade / VÖ 22.05.]

Text: Mario Lasar


Zwischen ätherisch-höhenlastigem Säuseln und brachialen Ausbrüchen schwingt sich das dritte reguläre Album der in der stilistischen Nähe von irgendwann mal sogenanntem "Weird-Folk" operierenden Band zu einer sinfonischen Großtat empor.

Typisch für den Sound von Grizzly Bear ist eine Tendenz zu starkem Hall. Man hat den Eindruck, die Musik wehe aus einem vergangenen Zeitalter in die Gegenwart hinein. Der Hall markiert den Übergang von der Vergangenheit in die Jetztzeit und scheint anzuzeigen, die Musik käme von weit her.


Auf diese Weise entsteht nicht nur ein Flair von Fernweh, sondern auch ein Gefühl transitorischer Präsenz (weshalb man der Band nachsagt, eine gewisse "Jenseitigkeit" heraufzubeschwören). Das heißt, die Musik entspricht eher einer im Fluss befindlichen Bewegung denn einem statischen Gebilde. Damit korrespondiert die hochgradige Wechselhaftigkeit im Aufbau der Stücke. Walzer-Rhythmen alternieren mit abrupten Stakkato-Attacken. Im Nebenzimmer hat sich heimlich ein Streichquartett versammelt, und der Drehorgelspieler bittet um eine Spende. Das alles ist herrlich verschwurbelt, verzichtet aber auf kokette Freakgebärden. Die Musik scheint ständig auf den nächsten Bruch hinzuarbeiten, was letztlich eine Dynamik entfaltet, die niemals aufgesetzt wirkt, weil sie unmittelbar aus der strukturellen Beschaffenheit der Stücke heraus generiert wird.

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