Dritte Wahl - 20 Jahre - Kinder, wie die Zeit vergeht Artikelbild (groß)
 
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Dritte Wahl

»20 Jahre - Kinder, wie die Zeit vergeht«

[DVD / Soulfood]

Text: linus volkmann
[2 Kommentare]

Nach der erfolgten Kartografierung von 80er-BRD-Punk'n'NDW erschlossen einige Bücher (u. a. die Schleimkeim-Bio über Otze Ehrlich im Ventil Verlag) und Filme ("Too Much Future") dieselbe Zeit für den Osten. Aber weiter geht's doch immer.

Und die Neunziger stehen schon bereit, als Nächstes in historischer Betrachtung zu erstarren. Dahingehend besonders interessant dürfte sich der Siegeszug von Deutschpunk im Osten ausmachen. Während sich im Westen höchstens noch Kassierer'esker Scumfuckpunk aus dem Ruhrpott regte, erlebte das Genre in den neuen Bundesländern einen Boom, der zahlenmäßig nur noch von der Rechtsbewegung übertrumpft wurde. Punk war zwar definitiv tot, ging aber volles Brett weiter.



Dritte Wahl sind eine der Bands der Zeit. Das Rostocker Trio kam kurz vor der Wende zu Instrumenten und AC/DC-Tapes und orgelte von da an bis heute an seiner Deutschpunk-Version. Und die ist, das beweist auch diese DVD, komplett entsetzlich. Kein guter Stil, stets miese, aber unironische Gitarrensoli in den zu langen, zu holprigen Stücken. Punk blieb hier letztlich nur eine geradebrechte Rockschwundstufe mit Mackerfresse. Egal. Ost-Punk der 90er wird ohnehin eher als gesellschaftliches Phänomen denn als geile Zeit für geile Platten in Erinnerung bleiben. Aber genau da birgt die DVD dann auch das Enttäuschungspotenzial. In der "Doku" gibt es gefühlte drei Dutzend grässliche Amateur-Livekonzertmitschnitte mit immer wieder voll ausgespielten Songs - diese Kaskade wird nur leidlich unterbrochen von einem oberflächlichen Interview. In dem immerhin mal an den Fragen zu Szene und Zusammenhängen gekratzt wird.

Man erfährt kurz was über die offizielle Einstufung (also ein Vorspielen vor Staatsgremien), die DDR-Bands seinerzeit machen mussten, um überhaupt auftreten zu dürfen. Das ist aber nur Zufall, schnell geht es wieder um gar nichts bzw. die humorlos gemeinte wie beantwortete Frage, ob man nicht jetzt mal Erste Wahl heißen sollte - nach all den Jahren. Gähn! Auch der tragische Moment der Bandgeschichte - der Krebstod des Gitarristen vor einigen Jahren - bleibt seltsam blass und mündet im Gespräch allzu fix in die Beteuerung, er habe gewollt, dass man weitermacht, und das wäre ja auch besser, und überhaupt habe man guten Ersatz an der Klampfe gefunden. Na ja. Wohlwollend unterstellt man der Band: Es gelang ihr sicher nur einfach überhaupt nicht, ihre Emotionen zu diesem Verlust irgendwie kenntlich bzw. spürbar zu machen. Dennoch ist dieser kalte Moment bezeichnend für das ganze Projekt der Zwanzig-Jahre-DVD: Es könnte Tiefe haben, hat es aber nicht. Stattdessen nur schlechte Soli, Männermänner und Rock'n'Roll. So klein ist die Welt auch ohne Grenzen. Die Aufarbeitung zum Thema Nachwende-Ostpunk steht jedenfalls immer noch aus. Der nächste Versuch möge sich aber bitte mehr Mühe geben.

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  • McKinski 22.03.2009 | 16:50:31

    die Schleimkeim-Bio über Otze Ehrlich im Ventil Verlag

    Sachen gibts

  • Der_letzte_Dealer 22.03.2009 | 17:46:33

    linus und punk. "es könnte tiefe haben."

    hammer. lieber linus, wenn dein pipi zu klein ist für schlechte gitarrensoli, hol dir doch einen umschnalldildo. das hat tiefe und ist dann endlich mal wieder wahrhaft revolutionär für deine freundin.

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