Soap & Skin
»Lovetune For Vacuum«
[Pias / Rough Trade]
Text:
Johnanna Uhl
Böse Musik, böse ist das, wie ein Exorzismus mitten auf der Bühne, während sich das Publikum unter die Sitze klammert. Die da wie rückwärts alle Vokale einsaugt, heißt Anja Plaschg, kommt aus Österreich und ist viel zu jung dafür.
Nur verständlich, dass das Mädchen mit dem weichen Namen zum wunden Kind stilisiert wird, wo sie doch selbst Geschichten erzählt, die genauso gut wahr sein könnten: "When I was a child / Foes pushed me hard / In my neck / In my chest / In my waist / In my butt." Das sind keine Songs, das ist ungute Stimmung. Und doch, man beachte den Titel, erschafft Soap & Skin aus beherrschtem Klavier und Elektronik, die klackt, zwitschert und unglücklich fällt, nicht nur die schrecklichen Töne, zu denen im "Tatort" ganze Familien gemetzelt werden könnten und deren schwere Schläge im Unterbauch dröhnen. Sie funktionieren ja überhaupt nur, weil Plaschg einem dann wieder ganz hell und leicht die Rippen öffnet, mit Dur und Märchen und wunderbarer Blutsauger-Romantik, die eigentlich aus Skandinavien sein müsste. Zum Seufzen schön ist etwa das himmelhohe "Cry Wolf", solange die Messer noch hängen und nur leise zittern. Dass sie dann doch tosend fallen, ist keine Frage, sondern nur, ob man sich darunter traut.
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