Titus Andronicus
»The Airing Of Grievances«
Text:
Holger Wendt
Die Pitchfork-Lieblinge Titus Andronicus haben mit ihrem Namen gerade die krudeste und blutigste aller Shakespeare-Tragödien für eine suburbane Neuinszenierung ausgewählt.
Ein Rachefeldzug gegen die provinzielle Engstirnigkeit ohne den angegammelten Originaltext. Das Einzige, was vom Stück noch übrig geblieben ist, ist der angepisste Fuck-you-all-Nihilismus der Protagonisten, der zeigt, dass man nicht unbedingt in der Renaissance leben muss, um die große, böse Welt so richtig kacke zu finden. Doch was heißt hier große, böse Welt? Letztendlich zieht Patrick Stickles, der sich für alle Songs auf "The Airing Of Grievances" verantwortlich zeigt, nur über das "Pleasantville"-artige Glen Rock, also seine Heimatstadt in New Jersey, her. Dort wünschen sich Herr Fuchs und Frau Elster noch eine gute Nacht, wohingegen die Teenager mit dem Fernglas in Richtung New York spähen. Stickles packt seine ganze Frustration beim Kragen und verpflanzt diese in punkig-folkige Hymnen, die auf wundersame Weise das fehlende Bindeglied zwischen Springsteen und The Replacements herstellen. Bisweilen hat man sogar den Eindruck, auf frühe Tracks des Saddle-Creek-Schutzpatronen Conor Oberst gestoßen zu sein.
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