Kam:as & Toboggan
»Neverstate & !E Brutal!«
Text:
Christoph Dorner
Ist das die neue Sonic Youth mit Lee Ranaldo am Gesang? Aber nein, die Amerikaner haben ja nicht mehr diesen Hang zu verzweigter Heaviness.
Es ist Berliner Postrock, der zwar einst an jener steilen Zitze gesaugt hat, dabei aber immer streberhaft Mathematikformeln aufsagt. Anders als jüngere Sinnbus-Acts pflegen die alten Recken von Kam:as ihre Hardcore-Wurzeln mit etwas Alpecin, was ihr viertes Album "Neverstate", übrigens von Tobias Siebert arschtrocken produziert, zunächst zu einer hartschaligen Nuss macht. Ist die einmal geknackt, was wohl nur Genre-Fans gelingt, warten erhabene Songs mit eruptivem Noise-Kern und einem Fruchtanteil von mindestens 20 Prozent.
Toboggan aus der Schweiz dagegen wuchern immer noch mit dem Pfund, einmal von John Peel in dessen Radioshow gespielt worden zu sein. Mit The Fall und, meine Güte, den Rest kennt ja kein normaler Mensch. Jedenfalls klingt ihr drittes Album, als würde Radioheads "Hail To The Thief" in schmaler Dreierbesetzung in feingliedrigen, melancholischen Postrock übersetzt, zumal auch Valérie Niederoests Gesang dem beschwörenden Gewimmer eines Thom Yorke recht nahe kommt. Schön, dass einem dieser Randgruppensport nicht vorenthalten bleibt.
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