The Killers - Day & Age Artikelbild (groß)
 
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The Killers

»Day & Age«

[Island / Universal]

Text: Peter Flore, linus volkmann

The Killers sind keine Band, sondern eine Rakete. Wo andere Acts heutzutage fleißig und prekär ihre Fans pleasen, interessierten sich The Killers bloß für die Sterne. Geht das auch ein drittes Mal gut?



Pro

"Are we human or are we dancer?" Eine Frage, die sich bisher wohl die wenigsten gestellt haben. Viel eher fragt man sich heuer, ob Brandon Flowers und seine Band künftig auf den Schlagerpartys der Eltern und Freunde aus dem Heimatdorf in der Heavy Rotation laufen. Die Chancen sind nach "Human" zumindest nicht gesunken, und mit "I Can't Stay" haben wir im auslaufenden Pop-Jahr endlich doch noch einen Kandidaten für die schönsten Saxofonmomente gefunden, herzlich willkommen! Das Chris-De-Burgh-artige "Human" war also kein Schmalzausrutscher, eher ein kecker Gruß an alle, die auf "Day & Age" die Fortsetzung der "Glamorous Indie Rock'n'Roll"-Saga erwarten.

Denn wo "Human" ist, ist noch mehr. "I Can't Stay" z. B. beginnt mit einem Basslauf, der fatal an Tom Jones' "It's Not Unusual" erinnert, damit muss man als Fan der Gruppe auch erst mal klarkommen. Im Grunde genommen verhält sich "Day & Age" zum schmissigen Tanzrock der Vorgängeralben wie "Das Königreich des Kristallschädels" zu "Jäger des verlorenen Schatzes": Die Trademarks sind schon noch da, nur eben etwas überkandidelt. Mir gefiel der vierte "Indiana Jones"-Teil ja, zumal einem in der Retrospektive doch auch aufgefallen sein muss, dass die Teile 1-3 ähnlich haarsträubend waren, das ist im allgemeinen Nerd-Konsens seinerzeit wohl untergegangen. "Day & Age" ist also schon noch Killers, "Spaceman" zum Beispiel hätte auch auf dem hittigen Debüt stehen können. Ganz geblendet vom Pomp solcher Nummern wie "Mr. Brightside" mit seinem "Freude schöner Götterfunken"-Riff, sang man damals doch auch "I got soul but I'm not a soldier" im Gospelchor mit. "Day & Age" ist ein tolles Indieschlager-Album geworden. Großes Popcorn-Kino, um im Bilde zu bleiben.
Peter Flore



Contra
MySpace könnte die Zahl bei den Profil-Aufrufen auch etwas schöner unterteilen, gerade bei den Viel-Besuchten. Na gut, muss man die Stellen eben selbst zu einer Zahl zusammendenken. "19981668" meint also fast 20 Millionen. Sehr viele Staaten dieser Welt haben demnach weniger Einwohner als The Killers Visits. Aber das bringt auch genau zu dem Punkt: Warum gelten diese vier Typen denn überhaupt als so geil? Ich sage es Ihnen: Weil sie in allerkürzester Zeit die Entfernung von der Erde zur Sonne zurückgelegt haben. Diese Karriere ist wirklich Las Vegas. Dem catchy Debüt einer smart coolen Ohrwurm-Band folgte mit dem zweiten Album bereits die Metamorphose zum abgehangenen, divaesken, genialen Mega-Act, für die andere Gruppen zwanzig Jahre brauchen.

Die zweite Platte war das Rock-Monster im Anton-Corbijn-Look, das Album, das U2 immer noch mal hätten machen wollen - aus humanistischen Gründen aber nie mehr so lebens- und todesverachtend klingen konnten. Die Killers konnten es. Ihre Kunst brannte ja scheinbar auch in der Hochpotenz von Hundejahren. Daher ist jetzt allerdings auch erst mal das Feuer aus. "Day & Age" stellt keinen Meilenstein mehr dar, wohin hätte man auch noch gesollt? Der Pomp-Gestus im Sound ist beibehalten, hat aber irgendwie den Größenwahn eingetauscht in Handwerk. Und wie schrecklich ist das denn? Die erste Single ergänzt die Arschloch-Haltung der Band mit ein bisschen Travestie und leichtem Augenzwinkern. Von den grotesken Fellklamotten eines Bandmitgliedes ganz zu schweigen. Und klar, Humor könnte ja auch ein Ausweg sein - bedeutet bei den Killers allerdings erst mal, dass man zurückrudert, sich ironisiert. Dabei überzeugte aber bis dato der heilige Ernst, mit dem sich die Band selbst und ihre Musik in regelrechte Rockstar-Allmachtsfantasien halluzinierte. Darauf muss man hier nun verzichten. Mist!
Linus Volkmann

The Killers "Day & Age" (Island / Universal)



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