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Trend

»Vier«

[Same Same But Different / Warner]

Text: Benjamin Walter
[7 Kommentare]

"Wir sind Trend aus Rheinland-Pfalz. Kurt Beck ist unser Ministerpräsident, Miroslav Klose ist unser Torjäger, und wir haben einen Auftrag!" Mit diesen Worten traten Trend vor Jahren auf die Bühne, und eine Art Hölle brach los.

Der beste Gitarrist, der zappeligste Schlagzeuger und natürlich der irrste Sänger zelebrierten auf der Bühne in einem blitzschnellen Wechsel aus gröbster Brutalität und ansteckender Fröhlichkeit eine Orgie der Selbstzerstörung - mit so scharf gestanzten Slogans, dass nur offene Münder zurückblieben. Aber auch eine Art Problem tat sich auf: Wie soll das denn bitte auf Platte funktionieren?


"Vier" führt nun in einem Album zusammen, was Trend ausmacht, und sollte ihre Sonderstellung im deutschen Punk/Hardcore endlich auch ein paar mehr Leuten unter die Nase reiben. Eine Hitdichte wie auf dem Debüt und ein klarer, wütender Sound, und doch ist die Platte so poppig und offen für Ausreißer aus dem engen Genrekorsett, dass der Verdacht von Mackertum und Tattooquatsch beim besten Willen nicht aufkommen mag. Statt Mitgrölparts gibt es bezaubernde Damenchöre und wavige Bassläufe, auf der Gitarre bleiben meist fünf Saiten stumm, und dennoch geht es mit den großartigen Texten von Sänger Fezer und erstaunlich deutlichem Unmut über die Verhältnisse abgehackt und gehetzt nach vorne. "Das bekommt ihr alles wieder. Das hab ich mir gemerkt." Nur ihre Tore müssen Trend zukünftig selbst schießen. Am besten immer direkt drauf.

Im Promoschreiben eurer Plattenfirma wird euer neues Album "Vier" als das vierte Album von Trend bezeichnet. Ich komme aber trotz sorgfältiger Zählung nur auf bisher zwei Alben. Hat der Titel möglicherweise noch eine andere Bedeutung?
Peter: Kannst du dieses Promoschreiben bitte mal weiterleiten? Es gab einige andere Ideen, doch wir konnten uns auf keine einigen. Die Erkenntnis, dass wir vier Dickköpfe sind, gab den Anstoß zu dem Titel.

Wer hat eure Platte aufgenommen? Für mich wurde der typische, energetische Livesound von Trend besonders gut eingefangen, ohne dass die Platte "fett" oder "rockig" klingen würde. War das auch eure Vorgabe?
Die Idee war, eine Platte aufzunehmen, die konstruierter klingt als die Platten davor. Freut mich, dass sie für dich nicht "fett" oder "rockig" klingt, denn das war genau die Vorgabe! Live soll es krachen, auf Platte wollte ich die Aggression etwas unterschwelliger werden lassen. Aufgenommen haben wir sie größtenteils im Studio des Gods-Of-Blitz-Gitarristen Olli Wong in Berlin. Diesmal gab es genügend Zeit, Klangvorstellungen auch umzusetzen.

Wie ist euer Verhältnis zur Provinz, aus der ihr kommt und die ihr auf "Das Produkt" noch mit "Steh' nicht auf Berlin - die Tenne reicht auch" besingt? Wenn ihr, trotz Berliner Label, eure Releaseparty im Fatal in Landau macht, besteht diese Verbundenheit doch wahrscheinlich immer noch, oder?
Hardcore/Punkrock hat eine große Tradition in der süddeutschen Provinz, viele deutsche und auch etliche Ami-Bands haben da in den 90er-Jahren ein dankbares Publikum gefunden. Und auch uns hat die Langeweile dort zum Musikmachen getrieben. Ein besonderer Lokalpatriotismus ist bei uns aber nicht Programm, außerdem wohnt Boris schon lange in Mainz, ich seit Jahren in Berlin. Was Fezer auf der ersten Platte singt, ist halt seine Sichtweise. Die Release-Party in Landau macht uns Spaß, dort kommen Leute hin, die wir seit Langem kennen, und es ist eine wirkliche Party, nicht so ein "Meet & Greet" mit irgendwelchen Affen, die man nicht kennt.

Was macht eure "asoziale Kompetenz" als Band aus? Dazu bekennt sich ja heute eher keiner mehr, und das wirkte auf mich auf wunderliche Weise sehr radikal.
Dazu nur eine kurze Anmerkung: Wir hätten mit der Band, die wir vor Trend gemacht haben, 1995 eine Platte bei Kitty-Yo machen können. Nachdem wir über ein Wochenende mit Surrogat, die damals eine 7-Inch dort herausgebracht hatten, ein paar Konzerte gespielt hatten, kam Rajk, der damals das Label machte, zu uns und sagte, dass sie das Label gerne so "familymäßig" aufziehen und wir da "irgendwie so" nicht reinpassen würden ... Viel hat sich da, glaube ich, nicht geändert.

Trend "Vier" (Same Same But Different / Warner)

Intro verlost dreimal die nicht nur optisch überzeugende 7-Inch "Prinz von Homburg" von Trend. Wer gewinnen möchte, schreibt einfach eine Mail mit dem Betreff "Trend" an verlosung@intro.de.



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  • User: Spatz
  • Spatz 20.11.2008 | 17:17:29

    Tolle Platte, interessante O-Töne. So hat man sich Kitty-Yo doch immer ausgemalt. Vinyl erscheint übrigens auf Sounds Of Subterrania.

  • User: linus volkmann
  • linus volkmann 20.11.2008 | 21:39:34
    während du schliefst
    aber jetzt, wo ich britta helms verriss im visions gelesen habe, bin ich nicht mehr so überzeugt, dass trend nicht doch nur schrottgrenze auf punk sind...

  • User: Christian Steinbrink
  • Christian Steinbrink 21.11.2008 | 03:18:32
    Die guten Militanten
    Klar, Britta Helm ist die Beste, fast immer wundervoll, aber ihren Punkt in dieser Kritik finde ich nicht, nur die "wirklich direkte Wut von Against Me!" und den "Kasten Beck's im Gesellschaftskritikseminar". Das halte ich beides für einen Mythos, für einen eher Gedankenfaulen. Deshalb bringt mich das nicht von Trend ab, von "Nun ja, wir auch" in "az/dc". Ich liebe das. Und du doch auch, Linus, lass dich doch nicht so verunsichern. Mann, die haben Bronx so um die 9 Punkte gegeben! Ansonsten Visions lesen natürlich immer und allein wegen Britta Helm, keine Frage. Zumindest seitdem Schumacher gegangen ist.

    Editiert von Christian Steinbrink am 21.11.2008 03:29:16

  • User: Legoland
  • Legoland 21.11.2008 | 07:44:13
    Legolize it!
    gibs vielleicht nen link auf den artikel? ich muss mir doch die visions nicht kaufen, nur weil da eine frau mal zwei, drei richtige gedanken äussert, oder?

  • User: Knallcharge
  • Knallcharge 21.11.2008 | 12:49:07

    Schrottgrenze? bislang waren Trend doch meist eher Fehlfarben junior

  • User: linus volkmann
  • linus volkmann 21.11.2008 | 20:00:35
    während du schliefst
    nee, ich finde allgemein die schreibe der aktuellen visions-redaktion gut.
    britta fällt wohl vor allem auf, weil sie auf diesen (no offense) seitenlangen strecken, wo auf halb- und ganzseitern immer nur five-piece-typen-bands mit ihren tattos, ihrer coolness oder sonstwas posieren, weil sie in dieser so selbstverständlichen rockmännchenwelt tatsächlich noch eine weibliche position einbringen kann.
    sie schreibt ja auch im missy magazin. das ist für sie sicher auch ein guter ausgleich zum männi magazin aus dortmund.

  • User: Vagrant5000
  • Vagrant5000 28.11.2008 | 19:14:36
    my pleasure!
    hahaha, als ich aufgrund von bisheriger unkenntnis und interesse nach der band googelte landete ich hier:

    "Unser Repertoire ist ein musikalischer Cocktail gemixt aus:

    Tanz
    Stimmungsmusik
    Schlager von gestern und heute
    Rock
    Pop
    Disco-Hits
    Country-Musik
    "

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