All The Saints
»Fire On Corridor X«
[Touch And Go / Soulfood]
Text:
Christian Steinbrink
Es ist nahe liegend und anstandslos bedeutungsschwanger, schwere Gitarren mit koketter religiöser Symbolik zu mischen.
Wer so was tut, evoziert Tiefe mit Anschlussfähigkeit für nahezu jeden potenziell Interessierten, egal, ob in den USA oder in Europa. Nur - ist das nicht billig? Im Falle der All The Saints aus den Südstaaten jedenfalls sicher nicht. Dafür ist das Ornament auf ihrem Psychrock einfach zu verführerisch und gut. Manche lassen sich sogar dazu hinreißen, von My Bloody Valentine zu reden. Aber weit gefehlt: The Hidden Hand sind der Musik des Trios allemal näher als die Briten. Ob sie wollen oder nicht, es ist schließlich nicht leicht, aus seiner US-amerikanischen Haut zu fahren. Trotzdem ist "Fire On Corridor X" hochambitioniert und viel mehr als nur Schweinerock. Die Strukturen der Songs sind vertrackt, die Gitarren bahnen sich nicht wie Dampfwalzen, sondern wie reißende Bergbäche ihren Weg, die zusätzlichen Sounds und Effekte fügen sich geschickt in die Arrangements ein und sind weit mehr als nur alles bedeckender Zuckerguss. Immer wieder erreicht der Forscherdrang der Band sogar die Qualität von beispielsweise Isis. Trotzdem hat "Fire ..." eine Kraft, die auch Bewahrer wie Wino Weinrich beeindrucken dürfte. Das Bleiche, das Feingliedrige der Briten fehlt hier. Aber auch so - oder gerade deswegen - ist diese Platte eines der wenigen zukunftsweisenden Stücke Rockmusik des Jahres.
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