Congregation
»Congregation«
Text:
Henrik Drüner
Man stelle sich eine versiffte Spelunke vor, in der man nicht genau sagen kann, wo die Bühne aufhört und der Tresen anfängt.
Dazu ein ungleiches, einander aber doch vertraut wirkendes Pärchen, das aussieht wie ein Gangster-Duo aus der Zeit der Weltwirtschaftskrise (nein, die andere von 1929 ist gemeint). Er beugt sich über die Slide-Gitarre und beackert reinstes Blues-Schema, sie sehnt sich singend nach Küssen des Liebsten. Victoria Yeulet und Benjamin Prosser alias Congregation sind die neue Weißbrot-Rhythm'n'Blues-Hoffnung aus London. Der minimalistische Charakter der transparenten Songs lässt nicht nur aufgrund der Besetzung an The White Stripes denken, ebenso an Holly Golighty & The Brokeoffs, aber Congregation sind weniger Rock'n'Roll. Ihr Trumpf ist Stimmung - und Stimme: Ungehobelt, aufreizend und verführerisch gleiten Yeulets Silben über die Noten und klagen im Song "Dose Of Hell": "The doctor says, he can't do me no good / I wish he could do me like you could / His pills make me ill, your kisses make me well / Too bad your loving was like a dose of hell." Auf Albumlänge mag dieser Trumpf zu einer gewissen Übersättigung führen, aber wenn eine Platte den Glauben an ein Genre aufleben lässt, warum dann nicht auf diese stilvolle Art und Weise?
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