Flaming Lips - A Fantastical Film Freakout Artikelbild (groß)
 
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Flaming Lips

»A Fantastical Film Freakout«

[DVD / Warner]

Text: Dana Bönisch

Als 2002 der erste Schnipsel von "Christmas On Mars" durchs Netz geisterte, glaubte eigentlich niemand daran, dass daraus wirklich ein Film werden würde, zumal ein "abendfüllender", wie man so sagt. Das Video schien eher ein absurder Fake-Trailer, ein weiteres Teilchen im Gesamtkunstwerk Flaming Lips zu sein.

Jetzt ist Flaming Lips' Wayne Coynes "Fantastical Film Freakout" allen Grundzweifeln zum Trotze also tatsächlich vollendet. Die Anfangssequenz ist symptomatisch für den ganzen schönen Wahn, der noch folgen wird: Die Kamera schwebt in ein großes schwarzes Etwas hinein, welches das Universum oder auch eine Gebärmutter sein könnte. Genau die Ouvertüre, die man sich für einen Flaming-Lips-Film vorgestellt hätte. Die leuchtenden Konfettiherden sind Galaxien oder diese flirrenden Partikel auf Ultraschallbildern, das tiefe Wummern, das langsam schneller wird, könnte aus den Tiefen eines maroden Raumschiffs stammen oder aber der Herzschlag eines ungeborenen Babys sein.


Wenn Wayne Coyne einen Film dreht, macht er es natürlich nicht unter den Mega-Erzählungen der letzten zwei Jahrtausende: Erlöser-Kindlein und Weltraum-Eroberung. Major Syrtis (schön nachdenklich-sorgenvoll: Multiinstrumental-Genie Steven Drozd) möchte auf dem frisch kolonisierten Mars das Weihnachtsfest zelebrieren; pünktlich soll dort außerdem das erste Kind geboren werden. Syrtis' kläglicher Santa Claus stirbt ihm jedoch unter den Händen weg - nachdem er eine Marching Band mit Vagina-Köpfen halluziniert hatte -, die Raumstation macht Zicken, ein schweigsames Alien bringt den Proll-Käptn zur Weißglut. Wayne Coyne als Marsmensch schreitet eigentlich nur ungelenk-würdevoll - wie auch sonst: mit nach oben gebogenen Muck-Schuhen - durch die selbst gebastelten Kulissen, größtenteils übrigens auf seinem Grundstück in Oklahoma gelegen.

Dass sich die Flaming Lips hier in "Be Kind, Rewind"-Manier ganze sieben Jahre lang in viel Pappe und Alufolie ihren Spaß gemacht haben (Warum eigentlich ist darauf nach den Beatles keine Band mehr gekommen?), bedeutet nicht, dass dabei einfach nur Sci-Fi-Trash entstanden wäre. Auch auf der Bühne, im härtesten aller Konfettiregen, meint Coyne ja alles, was er singt, verdammt ernst - genauso ist der Film gleichzeitig wunderbarer Quatsch und poetisch-ambitioniert. Dabei lässt sich schön beobachten, wie im Lips-Universum verschiedene Motive immer wiederkehren: Das Baby dümpelt im Film in einer externen Fruchtblase herum - das erinnert an den gigantischen Plastikballon, in dem Wayne Coyne bei Konzerten über das Publikum wandelt. Eine weitere großartige Szene in "Christmas On Mars": Das wichtigste Bordinstrument gibt nur noch ein zartes Röcheln von sich, der erfolglose Techniker weint Blut, der hyperaktive Käptn schweigt das erste Mal, und in die von Coyne und Drozd eigens komponierte Mars-Sinfonie - die natürlich auch ohne Bilder funktioniert - mischt sich "Silent Night". Dass der Film ursprünglich noch nicht mal in regulären Kinos laufen, sondern einzig in Form sehr spezieller Screenings mit den üblichen Spezialeffekten in das Live-Gesamtwerk eingebunden werden sollte, macht das DVD-Release selbst fast ein wenig enttäuschend. Das Anmieten von Konfetti-, Schnee- oder Laserkanonen zum Videoabend ist also quasi Pflichtsache.


Flaming Lips "Christmas On Mars - A Fantastical Film Freakout" (DVD / Warner)



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aus Intro #167 (Dezember 2008 / Januar 2009)
 
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