Simon Bookish
»Everything / Everything«
Text:
Martin Büsser
"German record label for ambient experimental electronic music" - diese Selbstbeschreibung, die sich noch immer auf der Tomlab-Page findet, hätte eigentlich ein Update nötig.
Denn mit No Kids, Paranthetical Girls und nun auch Simon Bookish erweist sich Tomlab seit jüngerer Zeit als die Nummer eins für komplex arrangierten Pop mit hohem Sophistication-Faktor. Diese Künstler knüpfen an die großen US-amerikanischen Entwürfe des Erwachsenen-Pop von Burt Bacharach und Van Dyke Parks an, aber auch an den verspielten, dandyesken Britpop der Mittachtziger. Simon Bookish, der bereits als Remixer oder Gastmusiker bei The Organ, Franz Ferdinand und Patrick Wolf die Fäden spann, geht es schlichtweg ums Ganze, um "Everything": Hier versucht jemand den ganz großen Pop-Wurf, wirft Vaudeville und Brecht/Weill in die Waagschale, adaptiert den ironischen Bombast der Sparks und arrangiert wie beiläufig auch noch Bläser in Tradition von Philip Glass in das sowieso schon straff gezogene Korsett. Das wirkt manchmal etwas überambitioniert, doch genau diese "flood of information" ist intendiert. Nicht nur die Arrangements rauben einem den Atem, sondern auch die überdrehten Texte, die ein Songtitel von Bookish ziemlich gut charakterisiert: "A New Sense Of Humour".
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