MAR
»The Sound«
Text:
Klaas Tigchelaar
So schwer zu fassen wie Land und Leute ist wohl auch die Musik, die aus Island kommt. Menschen, die eine Straße verlegen, um die Fabelwesen nicht zu verärgern, haben wohl auch einen anderen Zugang zur Musik.
Das sind natürlich alles bloß kauzige Klischees, aber die nutzt MAR-Mastermind Kyle Reidy erfolgreich für die Promotion seiner Musik. Eigentlich kommt er nämlich aus Arkansas in den USA. Sein Debütalbum "The Silence" hat er aber eben im isländischen Syrland Studio aufgenommen, wo auch Björk und Sigur Rós schon Tracks auf Band gebracht haben. Mit dabei waren unter anderem Jimmy LaValle (Album Leaf, Black Heart Procession) und Samuli Kosminen (Múm). Fürs zweite Album hat er mit Flex Arnson nun immerhin einen isländischen Produzenten im Boot, der mit ihm durch die somnambulen Klanglandschaften schippert. Flächensounds verringern sich zu bloßen Einzelnoten, die einsam im Raum stehen. Gemächlich aufgebaute Gebilde mit zartem Gesang münden in treibendes Getrommel. Trotzdem gibt Reidy zwischen all den Streichern, Glöckchen und blubbernden Flächen bei einigen Songs einen genauen Kurs mit Strophe- und Refrain-ähnlichen Strukturen vor. So viel Island, wie Arkansas eben zulässt.
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