Mercury Rev
»Snowflake / Midnight«
Text:
Christian Wessels
[1 Kommentar]
Delayschwangere Synthiepiano-Akkorde eröffnen das siebte Album in 20 Jahren Bandgeschichte. "Born Slippy", denkt man. Und liegt damit gar nicht so falsch.
Mit "Snowflake / Midnight" verortet sich das New Yorker Trio - übrig geblieben sind Jonathan Donahue, Grasshopper und Jeff Mercel - in einem grundrenovierten Kontext. Sehr ambient, sehr elektronisch, sehr fransig klingen die neun Songscapes. Über Click'n'Cut-Beats flirren emsig geschichtete Electronica, Chöre und Hallräume. Zehn Jahre nach "Deserter's Songs" erinnern allenfalls Donahues Vocals an die Rockband der ausklingenden 90er-Jahre. "Geheimnisse, Träume, Surreales" besingt er mit heller Stimme. "Ein Jahr haben wir gebastelt, ohne unsere Ideen auch nur ansatzweise in Form zu pressen", erläutert Mercel den mäandernden Produktionsprozess. Grasshopper rührte seine Gitarre nicht an, Zufallsgeneratoren schraubten Filter und zerlegten Tonspuren. Bei all der entstandenen Weirdness, bei all den Klanglandschaften im Stereowunderland bleibt ein seltsam flacher Höreindruck. "Snowflake / Midnight" wirkt wie ein Filmscore. Wie Funktionsmusik, die Bilder unterstützen, verstärken oder konterkarieren soll. Nur: Es gibt keine Bilder. Und das Kopfkino, das Gefühl von "Open Space", trägt diesen riesigen, nie enden wollenden Synthie-Brocken nicht über die komplette Album-Länge. Zur Veröffentlichung verschenkt die Band auf ihrer Homepage mit "Strange Attractor" ein Parallel-Album. Das fügt sich nahtlos ein, nur die Vocals fehlen.
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coloman 07.11.2008 | 13:11:15
Tja so unterschiedlich können Geschmäcker sein. Ich finde die Scheibe großartig, ein großer Teil der internationalen Presse auch. Dieser Platte muss man Zeit geben. Da is nix zusammengezimmert, sondern wohl durchdacht. Sie wächst mit jedem Hören. Der Sound ist fantastisch und als Vinyl gibts die Intrumentalplatte quasi gratis. Es ist schon schade, wenn erst ca 1 Monat nach VÖ eine derart oberflächliche Kritik kommt, wo man den Eindruck nicht los wird, dass diese tatsächlich mal eben zusammengezimmert wurde, noch nicht einmal auf einzelne Songs eingeht. Die Bilder im Kopf gibt es, den Film auch. Elektronik ist stärker vorhanden, aber -wie immer- zig Spuren Gitarren, Pianos, Akustikdrums etc. Wer "Secret Migration" kennt, wird auch diese Scheibe und die Band ohne Weiteres wiedererkennen, lieben. Die songstruktur ist natürlich -wie immer- klar vorhanden. Und, Strange Attractor ist im Gegenteil in der Tat elektronisch, instrumental und wie Filmmusik, aber ganz anders als "Snowflake Midnight". Insofern stimmt die Kritik einen schon nachdenklich. Wenigstens eine intensiveres Beschäftigung mit ihr hätte dieses Werk und auch die Künstler verdient.
An alle Fans dieser Band: KAUFEN!
Eine der besten Platten von 2008!
Editiert von
coloman am 07.11.2008 13:37:23
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