Rainald Grebe & Die Kapelle Der Versöhnung
»1968«
[Versöhnungsrecords / Broken Silence]
Text:
Holger Wendt
Die Angst vor dem Kabarett und vor den kleinen untersetzten Nachfahren Fips Asmussens ist eine absolut berechtigte Angst, doch das Kuriositätenkabinett des Rainald Grebe ist weit weniger abgedroschen, als man auf den ersten Blick ahnen mag.
Auf "1968" paraphrasieren Rainald Grebe & Die Kapelle Der Versöhnung die herzlich verschrienen "Umbruchsjahre". In lakonischen Zitatenansammlungen wie "Zeitmaschine" und "Sag wir zu mir" türmen sich APO-Slogans und Kommune-1-Phrasen aufeinander. Das klingt nach Possenreißertum. Doch die Scheinbarkeit ist viel durchdachter, als man zuerst annimmt. Grebes Stil ist fast schon mit subversivem Entertainment gleichzusetzen, welches glücklicherweise am Sendungsbewusstsein vorbeischrammt.
"1968" enthält fast alle Beiträge des gleichnamigen Bühnenprogramms von Rainald Grebe & Die Kapelle Der Versöhnung und rendert 68 auf das herunter, was es in der Zwischenzeit geworden ist: ein mythologisiertes Kapitel im Geschichtsbuch, das so durchgeweicht ist wie ein nasses Stück Brot. Die bürgerliche Revolte wird so lange durch die Reminiszenz-Maschine gedreht, bis man glaubt, die Zeitzeugen gemeinsam mit Guido Knopp ausgewählt zu haben. Da will man laut "Aufhören" schreien und sich mal persönlich mit Rainer Langhans unterhalten. Nimmermüder Reibekuchen Geschichte, es wird Zeit, sich auf eine andere Seite zu drehen. "Partisan und Parmesan, wo sind wir geblieben, Partisan und Parmesan, alles wird zerrieben."
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