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Sven Van Thom

»Phantomschmerz«

[Starwatch / Warner / VÖ: 05.09.2008 ]

Text: Peter Wittkamp

Sven Van Thom, der schon mit seiner Berliner Band Beatplanet eine Schwäche für schwache Künstlernamen zeigte und mit derselben bei Stefan Raabs "Bundesvision Songcontest 07" knapp dem letzten Platz entging, scheint auch auf seinem Solodebüt auf Abwegen.

Von "Ohrenkrebs" singt er in Titeln wie "Schatz, halt's Maul" oder weiß in "Schlecht im Lügen" über eine nicht näher bestimmte "Wahrheit" zu reimen: "Ich habe sie selbst erst vor Kurzem entdeckt / Mit dem Effekt, dass sie mich erschreckt." Für "Trauriges Mädchen", die erste Single, schämt er sich nicht, einer Frauenstimme den Refrain zu überlassen, die in ihrem Kalkül und ihrer Höhe den hellsten Silbermond verblassen lässt. Die für derlei Beliebiges natürlich existierende Zielgruppe, die den Song während eines Trailers auf ProSieben entdeckt hat, bescherte dem traurigen Mädchen YouTube-Klickzahlen, die bis dato - ganz ohne Video - der dreifachen Besuchermenge einer Mario-Barth-Stadion-Show entsprechen, und in Svens Gästebuch scheint das einzig legitime Adjektiv "hammer" zu sein.


Über Sven Van Thoms Weg in die Charts müsste an dieser Stelle also kaum weiter orakelt werden, wäre "Phantomschmerz" nicht trotz aller Widrigkeiten ein so unwiderstehliches Album geworden. Erinnerungen an Bela B., Johnny Cash, Calexico, Leonard Cohen, Adam Green, Ennio Morricone und Die Prinzen treffen in gewaltigen Arrangements aufeinander. Zu schreiben, Sven Van Thom entginge dabei nur knapp dem Schlageresken, wäre freundlich gelogen, denn er steckt mittendrin. Allein wird hier auf eine verhaltene oder gar seichte Produktion verzichtet und vor allem der Melodienzwang des verpönten Genres übernommen.

Und natürlich die schmutzigen Ohrwurmtricks: Der Himmel über Berlin ist für Sven voller Geigen, die ohnehin bereits zuckrigen Refrains werden gerne noch mal eine Oktave höher wiederholt. Wenn dazu noch detailverliebte Ideen kommen - wie eine Strophe, die ihren Refrain im eigenen letzten Wort abholt ("Trauriges Mädchen") - und mit den oben genannten Textschwächen bereits die gröbsten Ausreißer genannt sind, bleibt "Phantomschmerz" nicht nur ein Beispiel für eine sehr gelungene, harmoniensüchtige Produktion, sondern wird darüber hinaus zur süß-klebrigen Empfehlung für den mutigen Intro-Leser ohne verräterischen Last.fm-Anschluss.




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