Mio Myo
»Ghost Fades«
Text:
Oliver Minck
"We are all unicorns", singen Mio Myo. Und so klingen sie auch ein bisschen. Wie Fabelwesen, die ihre musikalischen Signale aus einem geheimnisvollen Land senden.
Das ferne Land heißt in Wirklichkeit aber nicht etwa Island, sondern Bayern. Im Süden der Republik ist Shoegazing schon seit einiger Zeit wieder ziemlich en vogue. Und so fügen sich Mio Myo natürlich prima ins Bild. Aber eins muss gesagt werden: Die Nürnberger machen das richtig gut. Es bleibt hier nicht beim reinen Sigur-Rós-Plagiat. Was einerseits an den eindeutigeren Songstrukturen und der Stimme von Uwe Egger (kann man mit so einem Namen Popstar werden?) liegt - beides erinnert bisweilen an die guten Seiten von Coldplay -, andererseits am geschickten Einsatz von Elektronik, mit dem man an die Weilheimer Schule andockt.
Und auch das Cello macht sich gut im elegischen Klangkosmos. Viel mehr als den milden Soundtrack zur eigenen, bittersüßen Niedergeschlagenheit darf man hier natürlich nicht erwarten. Reicht ja aber auch, die Wehmut der nicht enden wollenden Postadoleszenz hat schließlich einen langen Atem. Wer allerdings ausschließlich auf nervösen Agitpop steht, sollte wohl doch besser bei den Goldenen Zitronen bleiben.
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