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Dirty Pretty Things

»Romance At Short Notice«

[Vertigo / Universal]

Text: Christian Steinbrink
[1 Kommentar]

Ist es eigentlich sehr spießig oder ignorant zu glauben, dass die Libertines plus Folgeprojekte ihre immense Popularität letztlich doch nur der Sensationsgier des Boulevards zu verdanken haben? Und interessiert es die Massen von Doherty-Fans überhaupt, wenn es so wäre?

Zumindest meine anpolitisierten Vorstellungen von "verdienten" und "unverdienten" Schlagzeilen scheinen hoffnungslos antiquiert zu sein. Um der richtigen Einordnung willen ist es vielleicht gut, den Blickwinkel zu beschreiben, aus dem ich diese zweite CD der Dirty Pretty Things, der Band der Rest-Libertines um Carl Barat, höre: Ich habe nie eine Platte aus dieser Szene ganz gehört, beim ersten Libertines-Konzert im Kölner Gebäude 9 fand ich die damals schon verquollenen Froschgesichter der besoffenen Protagonisten nur eklig, und ich würde Kate Moss nicht erkennen, wenn sie neben mir an der Supermarktkasse stände, Kate Mosh dagegen schon. Eine konsequent bürgerlich-elitäre Bildung also, so öde wie behütend, das Sein bestimmt das Bewusstsein, und ich habe mir wirklich noch nie eine Bildzeitung gekauft.


Vor diesem Hintergrund ist meine Meinung über "Romance ..." vielleicht vorhersehbar, aber dadurch nicht weniger deutlich: Das ganze Buhei ist hoffnungslos überzogen. Der Sound der DPT ist so dreckig wie spielerisch, aber in jeder Sekunde so viel weniger zwingend als beispielsweise The Clash oder die frühen Stones. Sie spielen traditionellen, an ein paar ruhigen Stellen anrührenden Pubrock zum Mitgrölen und ohne Hochglanz-Ambitionen.

Barat & Co. bewegen sich, ähnlich wie schon die Libertines, immer an der Grenze zum Exzess, ihre Musik ist der Soundtrack zum Kontrollverlust, mit einem sehr rauen Verständnis von Glam und einem Groove, der eher betrunkenes Wanken als geschmeidiges Tanzen unterstützt. DPT spielen die Role-Models vor allem für rotgesichtige britische Teens und deren Saufeskapaden, das sollte man nicht vergessen. Und auch auf die Gefahr hin, öde genannt zu werden - da bin ich eben nicht dabei.



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  • User: Axolotl
  • Axolotl 31.08.2008 | 23:26:46

    Hoffnungslos antiquiert? Ja!

    Öde? Aber sicher doch!

    Einschätzung des DPT-Albums? Kann man unterschreiben...

    ...obwohl ich die Einschätzung dass die Dirty Pretty Things Role Models für saufende UK-Teens sind, eher für gewagt halte. Selbst wenn es so ist, ist der Zeigefinger hier nicht angebracht.

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