Lackthereof / Broken Social Scene presents Brendan Canning - Your Anchor & Something For All Of Us Artikelbild (groß)
 
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Lackthereof / Broken Social Scene presents Brendan Canning

»Your Anchor & Something For All Of Us«

[City Slang / Universal, Arts & Crafts / Al!ve]

Text: Martin Büsser

Abteilung Soloprojekte! Dieses Mal mit Abkömmlingen von Menomena und Broken Social Scene.

Danny Seim, Schlagzeuger der an sich schon hervorragenden Menomena, hat ein ebenso hervorragendes Soloalbum aufgenommen, das den opulenten Prog-Indie-Rock seiner Stammband in entschlackter Version wiedergibt, ohne dabei weniger komplex zu sein. Man merkt, dass hier ein Drummer am Werk ist, denn alle Macht geht vom Schlagzeug aus. Polyrhythmisch, manchmal geradezu verschachtelt, mit mehreren übereinandergelegten Schlagzeugspuren aufgenommen, folgen die Stücke keinem konventionellen Strophe/Refrain-Schema, sondern wuchern groovend aus. Ein schwerer Basslauf unterstützt die rhythmische Ausrichtung der Stücke, trotzdem hört sich "Your Anchor" nicht wie eine Platte an, der es an Melodieinstrumenten, an Volumen oder Band-Charakter mangelt. Dafür sorgen alleine schon Danny Seims Gespür für Songwriting und ein toller Gesang, der die ganz Großen aus US-Indie-Land, etwa Hüsker Dü und Pavement, beerbt, aber nicht imitiert.


Mit Brendan Canning geht auch die Solisten-Reihe "Broken Social Scene presents" in eine neue Runde. Wo Lackthereof der eigenen Band Menomena jedoch etwas ganz Eigenes hinzufügt, weil bei ihm nicht einfach nur der Band-Stil en miniature wiedergegeben wird, hört sich Brendan Cannings Album an, als hätten Broken Social Scene einfach nur einen Tick weniger aufwendig produziert. Und zwar wirklich nur einen Tick, denn auch hier gibt es jede Menge Gitarrenspuren, Streicher- und Bläser-Arrangements, Background-Gesang und all jenen Schnickschnack, der für die Überwältigungs-Ästhetik der Kanadier charakteristisch ist. Hinzu kommt, dass Brendans Begeisterung für Sonic Youth auf "Something For All Of Us" manchmal epigonale Züge annimmt. Wer Broken Social Scene mag, kann begeistert zugreifen, wer von Soloprojekten Individualität erwartet, braucht das allerdings nicht.



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aus Intro #164 (September 2008)
 
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