The Precious Mings
»EveryTime I Sell A Record A Kitten Dies«
Text:
Lutz Happel
In jeder Hinsicht rätselhaft ist dieses Debüt.
In streng viktorianischer Kleiderordnung fällt Boris Mings Band vor allem durch einen ausgeprägt schrulligen Humor auf. Ob nun der Titel des Werks auf britischen Katzenjammer oder einen uralten PR-Geniestreich von National Lampoon rekurriert, sei dahingestellt; was in den Untiefen so mancher Zeile wie "Help me so I wanna go home, alcohol is my megaphone" tatsächlich steckt, ebenfalls.
Fest steht, dass Herr Ming, der in einem anderen Leben auch als Keyboarder der Bristoler Studentenverbindung Chikinki reüssiert, ein ausgeprägtes Gespür für die Feinheiten des indierockistischen Songwritings besitzt. Seine Stimme zählt zu den besten Franz-Ferdinand-Soundalikes überhaupt, die Instrumentierung schwankt zwischen opulenter Quetschkommoden-Nostalgie, billig-unschuldigen Keyboardmelodien, Gameboy-Klamauk und souveränen Songwriting-Traditionals, die in gemächlichem, jedoch beschwingtem Takt vorgetragen werden und ganz ohne wild aufbäumende Gebärden auskommen. Eine neue musikalische Dynastie ist es wohl nicht, dafür immerhin ein prachtvoller Plastikblumenstrauß in einer schönen alten Vase.
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