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The Verve

»Forth«

Text: Daniel Koch
[15 Kommentare]

Nach der ersten Reunion gab's ein zeitloses Meisterwerk: "Urban Hymns". Selten war ein großkotziger Titel dermaßen Programm. Jetzt, schlappe elf Jahre später, zur dritten Reunion kommt "Forth". Ein sphärisches Kunstwerk, das sich jeder Erwartungshaltung entgegenstellt.

Herbst 2006: Richards drittes Soloalbum ist draußen. Er sitzt leibhaftig vor mir. Wider Erwarten ist er nicht der Ganzkörperbrillenträger mit Christuskomplex, sondern eher der freundlich Bloke aus Wigan, der ein Bier reicht und seine wichtigste Lektion erklärt: "Ich weiß jetzt, wie die Dinge laufen. Ich habe mit einer Platte sieben Millionen Fans verloren. Bloß, weil ich nicht mehr The Verve, sondern Richard Ashcroft war. Aber das fühlt sich super an." Dennoch schwärmt er fast von The Verve, nicht über die Erfolge, sondern über dieses Gefühl, das man zu Großem fähig war. "Bei einigen Songs dachte ich wirklich: That's beyond me." "Lucky Man" sei so einer gewesen. Den Moment, als die Band zum ersten Mal den fertigen Song anhörte, beschreibt er gar als "orgasmic experience". Fast sieht man das Leuchten in seinen Augen, als er das erzählt. Und ich dachte noch, The-Verve-Fragen seien tabu. Ob er da schon diese bekloppte Reunion-Idee im Sinn hatte?


Jetztzeit also: The Verve sind zurück. Elf Jahre nach "Urban Hymns". Und zwar nicht mit Album und ein, zwei popeligen Gigs, sondern umgekehrt: Sie touren, spielen die alten Hymnen, aber auch Neues - teilweise so frisch, dass Ashcroft die Zeilen vom Zettel ablesen muss. Die Reaktionen sind zumindest im UK euphorisch. Die Touren ausverkauft, der größte Gig auf dem Glastonbury ein Siegeszug. Wie ich da in der Menge stand, konnte ich es kaum glauben: Dass es diese Band wieder gibt. Und dass man sie noch einmal in einem Rahmen sieht, der ihnen angemessen erscheint.

Keine Frage, "Forth" wurde nicht nur von mir sehnlichst erwartet - und gibt einem nun erst mal so gar nicht das, was man sich gewünscht hatte. Denn statt wieder einen Haufen Hymnen in die Popwelt zu wuchten, besinnt sich die Band auf ihre Frühphase und klingt betont nach Teamspiel. Alles kommt zu seinem Recht: die sphärische McCabe-Gitarre, der dubbige Simon-Jones-Bass, das jazzinspirierte Drumspiel Peter Salisburys und natürlich Ashcrofts zwischen Erlösung und Verdammung mäandernder Gesang.

Gleich der Opener "Sit And Wonder" ist exemplarisch dafür - er klingt verdrogt, sphärisch nicht ganz greifbar. "Numbness" ist der perfekte Soundtrack für eine Schläfenmassage. "I See Houses" ein einziges Schweben durch die Nachbarschaft. Aber zwischen diesen Tracks findet man immer wieder Komplexes, Überraschendes wie "Noise Epic", das erst in tiefen Sprechgesang verfällt und später zum finalen Gitarreninferno anschwillt, oder das wahrlich großartige "Appalachian Springs". Und dann ist da noch das völlig "unvervige" "Love Is Noise", ein Bastard, der auf halber Strecke zwischen Wigan und Madchester gezeugt wurde. Man braucht seine Zeit für "Forth", aber ich denke, es IST ein großer Wurf - auf seine Weise. Man hört, was die Band wieder kann, und vor allem ahnt und hofft man, dass da vielleicht noch mehr kommt.



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  • 22.08.2008 | 17:19:22

    Hier wird mal wieder Käse schön geredet: das Album ist eine ziemliche Enttäuschung. Da ich Urban Hymns auch für ein Meisterwerk halte, verzeihe ich es The Verve und Ashcroft aber noch. Jedoch ein recht langweiliges Album mit Songs, die bis auf Track 8 (4:38 min) zwischen 5:37 und 8:12 min zumeist ohne besondere Höhepunkte vorbeilaufen, als "Ein sphärisches Kunstwerk, das sich jeder Erwartungshaltung entgegenstellt" zu bezeichnen, ist schon eine kleine Frechheit. Das einzig Gute ist, dass The Verve mit dem neuen Album wieder einen Grund haben, Konzerte zu geben. Wenn sie dann überwiegend die alten Songs spielen, soll es in Ordnung sein.

  • blood red shoes 23.08.2008 | 02:56:19
    einsame sternenprinzessin
    mir reichts schon dass es die überhaupt noch gibt, obwohl ashcroft solo genauso gut war.

  • User: addi min
  • addi min 23.08.2008 | 12:35:50
    der min vom addi
    Papperlapapp! Das einzig wahre Verve Album war und ist "A Storm In Heaven" zusammen mit "Gravity Grave". Dieses neue Ding ist zwar ganz wieder netter als der Krempel dazwischen, ABER...
    My Bloody Valentine sind dann doch irgendwie deutlich überzeugender bei dieser Reunionsache.

    Editiert von addi min am 23.08.2008 12:46:05

  • User: nanker
  • nanker 23.08.2008 | 14:27:25

    was gibts denn von denen so zu hören bisher?
    my bloody valentine natürlich. hatte nur mal bei myspace vorbeigeguckt aber da gabs nur dings zu hören.

  • User: addi min
  • addi min 23.08.2008 | 19:48:54
    der min vom addi
    nix neues bisher von denen zu hören. da hast du recht. aber dieses radio angebiedere bekommt der shields ja auch gar nicht hin.

  • User: Daniel Koch
  • Daniel Koch 27.08.2008 | 16:33:21

    @ Mr. Namenlos: Hier wird mal wieder Käsegeschmack schlecht geredet. Aber Käsegeschmäcker sind ja verschieden. Deswegen streitet man ja sogar gerne drüber. Ich mag diese (Käse-) Scheibe, und ich schreib' dann wenigstens meinen Namen drunter. Macht man ja auch eigentlich so. Es ist natürlich wesentlich trefflicher "Forth" als "jedoch ein recht langweiliges Album mit Songs, die bis auf Track 8 (4:38 min) zwischen 5:37 und 8:12 min zumeist ohne besondere Höhepunkte vorbeilaufen" zu bezeichnen. Da kann man sich gleich vorstellen, wie das klingt.

    Einer der Songs, zu denen die Menge am meisten abging war auf dem Glastonbury übrigens "Love Is Noise" - was ja hoffen lässt, dass nicht alle in Ewigkeiten alles an "Urban Hymns" messen. Ich halte übrigens "A Northern Soul" für das Meisterwerk der Band. Die (Käse) Scheibe schmeckt vom Aroma fülliger als "A Storm In Heaven" und ist nicht ganz so kalorienreich wie "Urban Hymns". Käsegeschmäcker halt...

    Ist eigentlich noch keinem aufgefallen, dass ich peinlicherweise schon von der dritten Reunion schreibe? Wo es doch eher der dritte Anlauf nach der zweiten Reunion is ...

  • User: Reverend
  • Reverend 27.08.2008 | 19:11:56
    war immer aufrichtig
    Love Is Noise ist so dermaßen grauenhaft, dass ich wirklich überhaupt kein Verständnis dafür hätte, wenn das jemand tatsächlich hören mag.

  • User: snorej
  • snorej 27.08.2008 | 21:05:34

    die platte ist so gggääähhhhnnnnn, schnnnarrcchhh.

  • User: Daniel Koch
  • Daniel Koch 28.08.2008 | 11:07:54

    Ach, ich freu mich, dass viele die hassen und bei einpennen. Dann braucht man wenigstens nicht mehr die bittere Erfahrung machen, "Bitter Sweet Symphony" am Autoscooter des Hunteburger Ponymarktes zu hören... mh... da könnte ich eigentllich mal wieder hin...

  • User: snorej
  • snorej 28.08.2008 | 11:31:35

    waaass die spielen "bitter sweet symphony" am autoscooter?
    welcher version? die von sugar daddy etwa?
    geil.

  • User: Daniel Koch
  • Daniel Koch 28.08.2008 | 11:42:25

    Haben sie zumindest ... äh ... 98 oder 97 gemacht. Habe den Autoscooter auf dem Hunteburger Ponymarkt aber auch nicht mehr so im Blick. Heutzutage ist die Playlist da sicher etwas Wombats- und Schnuffel-lastiger ...

  • User: michael_madsen
  • michael_madsen 28.08.2008 | 12:23:51

    The Verve sind so spannend wie eingeschlafene Füße!

  • User: LucTonnerre
  • LucTonnerre 28.08.2008 | 12:26:06

    Ich find LOVE IS NOISE toll.
    Den Rest kenn ich noch nicht.

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