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Sport

»Unter den Wolken«

[Strange Ways / Indigo / VÖ: 25.07.2008 ]

Text: Felix Scharlau

"Unter den Wolken" heißt das neue Album von Sport. Das zeigt: Es gibt Eskapismus jenseits von Eskapismus - und der heißt Realität.

Wo Reinhard Mey zum Flughafen rast und die Flucht antritt, halten Sport aus Hamburg das Elend aus - nicht zum ersten Mal: Das letzte Album "Aufstieg und Fall der Gruppe Sport", das man getrost meisterhaft nennen darf, brachte schon diesen ungeschönten, unangenehm sachlichen Ton mit sich. Es sezierte über weite Strecken das Musikgeschäft und die verzweifelten Träume von Nachwuchsbands und brachte das unweigerliche kommerzielle Scheitern auch lyrisch grandios auf den Punkt. Eine ehrliche Platte, möchte man fast sagen, wenn das Wort nicht so eklig wäre. Das Paradoxe: Nach "Aufstieg ..." lief es für die Rockband Sport auffallend besser.


Daher gibt es jetzt schon zehn neue, rumpelnde Songs, die das Hier zum Thema haben und nebenbei Sports Ansprüche auf die beste Grunge-Band Deutschlands weiter festigen. "Als ob die Wände sich verbiegen, sich die Sekunden ziehen", singt Felix Müller in "Gehirnerschütterung" zu bauchigen Distortion-Gitarren im Helmet-Rhythmus. Und man denkt dabei sicher nicht ganz zufällig an Zeilen aus "Die Tiere sind unruhig" von Kante, seiner Zweitband. Und das Titelstück erst mit seinen "Doktor Schiwago"-Chören! "Noch unter den Wolken liegt die Welt, in ewige Dunkelheit gehüllt, ohne Hoffnung, dass die Nacht zu Ende geht" - uh, ich gebe ab zur Werbung.

Nach der langen Pause vorm tollen letzten Album habt ihr euch ja schön beeilt mit einer neuen Platte. Hat sich in euren Lebensumständen etwas geändert, dass das jetzt möglich wurde?

Felix: Was sich für uns geändert hat, ist vor allem, dass wir nach der letzten Platte zum ersten Mal eine breitere Aufmerksamkeit gekriegt haben. Das treibt einen natürlich mehr zum Weitermachen an als die Jahre zuvor, wo man immer in seinem kleinen Kellerchen rumgewurschtelt hat. Zudem haben wir seit der letzten Platte mit Strange Ways ja auch ein festes Label, mit dem man gemeinsam weiß, wo's langgehen soll: auf, auf und davon ...

Hattest du jemals das Gefühl, dass dein Spielen bei Kante Sport inhaltlich oder stilistisch mit beeinflusst? Wenn ja, auf welche Art und Weise?
Ich denke, das geht in beide Richtungen. Auf der einen Seite mag es sein, dass durch die bei Kante größere Instrumentierung der Wunsch geweckt wurde, auch bei Sport-Arrangements mal mehr in die Breite zu gehen. Andererseits beeinflusst meine Art, Gitarre zu spielen, natürlich auch die Musik bei Kante. Zumal wir mit den Arbeiten an unserer letzten Sport-Platte bereits seit eineinhalb Jahren beschäftigt waren, als wir bei Kante mit der ersten "rockigeren" Platte "Die Tiere sind unruhig" begannen.

Nach einem ganz schönen Ritt aus Becken und Verzerrer klingt auch das neue Album ziemlich ruhig und depressiv aus. Sind Wut und Depression bei euch als Gegensätze oder als Teil eines Ganzen zu lesen?
Für uns müssen laute Gitarren-Riffs nicht unbedingt Ausdruck von Wut sein. Uns geht es da in erster Linie um die Energie. Wir sind nicht unbedingt eine Band, der es ums Anprangern geht. Und Mut ist uns mindestens genauso wichtig wie Wut. (Wobei die natürlich auch bestens miteinander klarkommen.) Dass gerade das letzte Lied auf der Platte recht trostlos endet, ist auf jeden Fall nicht programmatisch zu sehen. Das ist musikalisch eben einfach ein klassisches "letztes Lied": Thank you, good night.


Wir verlosen 3 Exemplare von "Unter den Wolken":
Einfach eine Mail an verlosung@intro.de und mit ein wenig Glück bekommst du demnächst Post von uns.



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