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Viele Bunte Autos

»Jetzt komme ich«

[Klanggalerie]

Text: Frank Apunkt Schneider

Die Bedeutung von Kulturbewegungen zeigt sich ja meist erst, wenn die Spitze des Eisbergs zu handlichen Geschichtseiswürfeln geschreddert und eingeschweißt wurde und die Unterbaumasse, auf der diese Spitze mal saß, in großen Brocken über die medialen Oberflächen treibt.

Der Umfang der Punkrevolte lässt sich aktuell nicht nur vom Aufpoppen entlegener Material-Neuherausgaben ablesen, sondern vor allem von den zahllosen Karrieren ehemaliger New-Wave-HipsterInnen im kulturellen Komplex. Oder im Umkehrschluss: Indem sich zu fast jedem und jeder Arrivierten über 40 und unter 55 mindestens ein noch verschollener oder schon gehobener Kassettensamplerbeitrag um 1981 beibringen lässt. Die Wiener Alternativradio-Ikone Fritz Ostermayer brachte es mit Viele Bunte Autos sogar auf eine Splitsingleseite sowie ein Livetape. Das alles zusammen - und noch etwas mehr - ergibt diese CD, die einen guten Eindruck von der Wiener Spielart von NDW vermittelt: Engagierter Kinderliedsynthie, wuchtiger Bass, der mit einem Bein noch in Wiener Morbiditätsklischees stochert, mit dem anderen aber schon nach New York will. Darüber der naiv-raffinierte Vortrag der raffiniert-naiven Texte von Angie Modepunk (einer der vielen Höhepunkte der Punknamensliteratur).


Wie bei vielen Austro-NDW-Gruppen zeigt sich eine in Deutschland selbst nur über mühseligen Konzeptualismus beizubiegende Popleidenschaft, die wohl in direkter Absetzungsbewegung zur hegemonialen Liedermachokultur um Fantasieknallchargen wie André Heller oder Authentizitätswuchteln wie Wolfgang Ambros leichter zu haben war. Jedenfalls entkommen Viele Bunte Autos deutschen Synthiepop-Tendenzen zu Tiefschwachsinn mit einer Leichtigkeit, die vielleicht eher nach New-Wave-Frankreich gehört hätte. Als Bonus gibt es noch den einen Unsterblichkeitshit, den eine gute obskure New-Wave-Band ja hingekriegt haben muss: "Komm in die Liga gegen Sex" als verstörendes Bekenntnis zur Sexverweigerung - vorgetragen mit den Mitteln BowWowWow'scher Minderjährigen-Erotik. Ein typischer Widerspruch einer Zeit, in der die gelebten Widersprüche noch etwas galten.




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aus Intro #163 (August 2008)
 
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