Drive-By Argument
»Drive-By Argument«
[Lizard King / Rough Trade / VÖ: 11.07.2008 ]
Text:
Christian Steinbrink
Es sieht ganz so aus, als habe das junge und ambitionierte US-Label Lizard King mit seinem ersten größeren Act Santogold einen echten Wurf gelandet. Immerhin empfehlen sogar schon 2/3 der Autoren der Sonntags-FAZ ihre Platte, wahlweise für Strand, Reise oder zu Hause.
Und diese weltgewandten jungen Leute müssen es schließlich wissen. Ob der Erfolg der nächsten Neuentdeckung Drive-By Argument, einer jungen Band aus dem schottischen Ayr, ebenfalls derart durchschlagend sein wird, ist dagegen eher fraglich. Denn auch wenn ihr Stil vielseitig, frisch und treibend klingt, scheint er dem Zeitgeist eher hinterher als voraus zu sein. Denn die Schotten mixen hymnischen Emo-Gitarrenrock mit betont ekstatischem Gesang und an Disco angelehnten Beats und Keyboardspuren. Während das Tempo der Stücke zwischen wilden Rockern und innehaltenden Balladen changiert, bleibt die anvisierte Stimmung immer ähnlich: Es geht um existenzialistischen Pathos, um die große Geste, sowohl auf dem Tanzflur als auch allein im Regen stehend. Aber so abgeschmackt die Atmosphäre dieser Musik auch sein mag - ihre technische Umsetzung leistet sich zumindest keine Schwächen oder Halbheiten, sondern nähert sich stetig dem an, was man landläufig superlativverliebt "perfekten Pop" nennt. So könnte es also doch kommen, dass diese Band auch im Overground hohe Wellen schlägt. Panic! At The Disco haben es schließlich auch geschafft.
Eure Musik enthält ja eine Menge Dance-Referenzen. Seid ihr denn wirklich auch Clubgänger?
Stoke: Am Anfang war es für uns nur ein musikalisches Experiment, unseren Rock mit elektronischen Elementen zu verbinden. Aber genau das hat uns dazu gebracht, auch richtig in Clubkultur einzutauchen. Trotzdem ist Electro nach wie vor nur ein Aspekt von vielen in unserer Musik. Es gibt eine Band, die uns diese Möglichkeit, Dance Music zu nutzen, vorgeführt hat. Sie heißt The Faint. Sie ist ein massiver Einfluss für uns.
Ihr habt mit Howard Gray von Apollo 440 aufgenommen. Wieso er, und wie groß war sein Einfluss auf eure Songs?
Lizard King schlug ihn uns vor, woraufhin wir ihn trafen. Er verstand uns, es funktionierte sehr gut, mit ihm zu arbeiten. Genau genommen hat er ja auch schon mit Apollo 440 das vorweggenommen, was wir heute zu machen versuchen. Im Studio hat er schon sehr deutlich den Weg vorgegeben. Einige der Songs wären viel verworrener und komplizierter, wenn er nicht dabei gewesen wäre. Er hat gut daran getan, uns ein bisschen zu kontrollieren. Darin liegt auch ein bisschen die Krux unserer Arbeitsweise: Wir werfen alle mit eigenen Ideen um uns, und manchmal sind das halt ein paar Ideen zu viel, als dass es dem Song gut tun würde.
Wie seid ihr eigentlich zusammengekommen?
Wir haben uns hier in Schottland auf der Universität getroffen, wir studierten alle Musik. In einem unserer ersten Kurse wurden willkürlich Bands zusammengestellt, die ein paar Songs produzieren sollten. Und ob du's glaubst oder nicht - wir wurden da buchstäblich zusammengewürfelt. Wir hatten uns vor unserer ersten Übungsstunde nie getroffen. Aber es funktionierte alles sehr gut und ging immer weiter, sodass wir irgendwann die Schule schmissen und die Band hauptberuflich angingen.
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