A Storm Of Light / US Christmas
»'And We Wept The Black Ocean Within' & 'Eat The Low Dogs'«
[Beide Neurot / Cargo]
Text:
Lars Brinkmann
"And We Wept The Black Ocean Within" gehört mit seinen Untergangs-Epen zu den besseren Werken der Post-Knall-Schule.
Wenn man sich auf der persönlichen Website von Josh Graham verlustiert, fällt zunächst auf, wie geschlossen und kohärent seine Welt erscheint. Alles ist "pretty dark", auf eine sehr ästhetische Art von Tod, Trauer und Zerfall gezeichnet, irgendwas (Prä-? Post-?) Apokalyptisches scheint all seinen Werken zugrunde zu liegen.
Das wäre nicht weiter erwähnenswert, wäre Graham nicht so etwas wie ein Renaissancemensch mit vielen Talenten. Vornehmlich bekannt als der Typ von Neurosis, der dort seit Jahren für das visuelle Element verantwortlich ist, arbeitet er als VJ, Grafiker und Filmemacher; quasi nebenbei spielt er Gitarre bei den vorerst inaktiven Battle Of Mice und beim Neurosis-Nebenprojekt Tribes Of Neurot, bis Anfang des Jahres war er auch noch bei den beachtenswerten Instrumental-Psychedelikern Red Sparowes beschäftigt. Egal, für wen er in welcher Disziplin arbeitet, das Ergebnis trägt immer unverkennbar seine deutliche Handschrift - ob Grafik, Videoclip, Poster oder Shirt, Graham ist selbst sein bester Kunde. Einerseits bewundernswert, was die Entwicklung seiner persönlichen Bildsprache betrifft, andererseits erscheint diese Einigkeit suboptimal, wenn es darum geht, Unterschiede oder Varietät zu kommunizieren, geschweige beim Ausformen einer eigenen Identität.
Ähnlich problematisch verhält es sich mit der Musik: A Storm Of Light ist Grahams Band, und der Sound bleibt dort verhaftet, wo die Tausenden von Neurosis-Epigonen seit Ewigkeiten stehen, um dasselbe Feld zu beackern und gegen dieselben Stürme anzubrüllen. Fairerweise sei hinzugefügt, dass "And We Wept The Black Ocean Within" mit seinen Untergangs-Epen in zumeist gemächlichem Tempo zu den besseren Werken dieser speziellen Post-Knall-Schule gehört.
Trotz des gemeinsamen Labels unterscheiden sich US Christmas bereits mit ihrem seltsamen Namen von der oben grob skizzierten Szene. Die Band aus Marion, einer Kleinstadt am Fuße der Appalachen, hat sich 2002 gegründet und nach einer Szene aus Sam Peckinpahs hervorragendem Reality-Western "Pat Garrett And Billy The Kid" benannt - entsprechend viel Staub atmet ihre mit Stoner-Doom nur unzureichend belobsudelte Musik. Denn der Weg führt auf ihrem zweiten regulären Album "Eat The Low Dogs" aus den Geisterstädten hinaus in das große kosmische Nichts, wo sich Galactus und Thor "Gute Nacht" sagen, wo die manipulierten Delays mit dem Theremin um die Wette knattern, wo sich die Band aus dem Alltag verabschiedet und mit Sternstaub um den restlichen Verstand bringt. Dazu kotzt einem der Sänger seine wenigen Zeilen wie Frühstücksflocken vor die Füße. Wer möchte das nicht hören?
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