Folklabor
»The Slider In Advance«
[Angelika Köhlermann / Broken Silence / VÖ: 11.04.2008 ]
Text:
Frank Apunkt Schneider
Kraft der maulfaulen, aber gewaltbereiten Schutzbehauptung, "authentisch" zu sein, durfte Folk hinter vorgehaltener Hand schon immer alles Mögliche unkontrolliert zusammenschmeißen. "Authentizität" ist bekanntlich ein vierschrötiges Argument, das keine blöden Fragen zulässt.
Der geschmackvolle Name dieses österreichischen Duos ist insofern ein weißer Schimmel. Hinter seiner rustikalen Landhausmodenfassade war Folk ja eh schon immer Labor. Die matt funkelnde Idee, ihn postmodern aufzumischen, verzettelt sich demzufolge meist in matt funkelnder Redundanz.
Folklabor verpacken ihre ganz persönliche Fuhre Eulen für Athen in jenen Akustikgitarren-Breitreifensound, den mal die Turin Brakes in die Indiewelt eingeführt haben, wobei dessen Herkunft von Eric Clapton immer durchschimmert, z. B. als leicht variiertes Eingangsriff von Claptons halbverwestem Autowerbungshit "Laila".
Drum herum drapieren Folklabor Stilmittelchen wie Vocoderstimme, Technobassdrum und abgestandene Synthieflächen sowie Weltmusikkrümel. Die Texte sind Ansichtspostkarten vom kleinen Glück: "Mach mir einen Kaffe und wärm mich daran." Soll sich wohl an Gustav dranhängen, ohne kapieren zu müssen, wie Gustav warum funktioniert. Gustavs Überblick säuft bei Folklabor in Perspektivlosigkeit ab, und ihre Eleganz der Kleinteiligkeit zerbröselt zu einem Nettigkeits-Wust, mit dem Folklabor irgendwie klingen wie jene Ikeaabteilung mit den unglaublich preiswerten Designkramschütten kurz vor der Kasse.
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