Bowerbirds
»Hymns For A Dark Horse«
[Dead Oceans / Cargo / VÖ: 11.07.2008 ]
Text:
Klaas Tigchelaar
[4 Kommentare]
Wiederveröffentlichung des Debüts von 2007 (damals auf dem Winz-Label Burly Time Records) bei der Plattenfirma, die auch den Evangelicals ein Zuhause gibt. Wohnwagen-Hippie-Folk zwischen einnehmendem Songwritertum und überspielenden Kelly-Family-Gesängen.
Gitarrist und Songwriter Phil Moore hat, während Wohnwagen-Mitbewohnerin Beth Tacular die Quetschkommode bewegt und Mark Paulson neben dem Piano auch die Percussion klöppelt, viel zu erzählen: über das Leben abseits der Zivilisation, Naturbeobachtungen und den weiten Ozean. Damit schwimmt die Band aus Raleigh, North Carolina souverän im großen Teich der Indie-Folk-Veröffentlichungen mit. Manchmal allerdings wünscht man sich fast ein paar Disharmonien bei diesem durchgehend traurig-schönen Beitrag zur Hausmusik-Kultur.
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die_jule 30.09.2008 | 13:44:09
let's kiss and make up
Damit schwimmt die Band aus Raleigh, North Carolina souverän im großen Teich der Indie-Folk-Veröffentlichungen mit.
ich weiß ja nicht. irgendwie sticht diese band eher aus diesem teich heraus, als dass sie einfach nur mitschwimmt.
und kelly familiy gesänge?
manchmal wünschte ich mir, es wäre ein import geblieben. dann gäbe es nicht so seltsame kurzrezensionen im intro magazin.
labr 30.09.2008 | 16:06:52
obey!
Lohnschreiber-Gewichse, kein eigener Gedanke, keine Motivation und die Dringlichkeit einer alten Mullbinde - schade eigentlich, die Band verdient besseres ...
Dass es auch besser geht, hat uns erst kürzlich eine anonym bleiben wollenden Dame sehr eindrucksvoll bewiesen, ich zitiere (nicht mich!) aus einem anderen Thread zum Thema:
"Bowerbirds – Hymns for a dark horse
„It takes a lot of nerve to destroy this wondrous earth. We’re only human, this at least we’ve learned.” (“In our Talons”)
Gerade habe ich gelernt, was für prächtige und interessante Tiere die Laubenvögel sind, besonders die Laubenvogelmännchen. Sie entledigen sich ihrer schönen, farbig schillernden Federn, um nicht gefressen zu werden (wie pragmatisch) und bauen daraus und aus anderen bunten Natur- und Industriematerialien schöne Lauben. Die sind dafür da, Weibchen anzulocken, denn diese paaren sich nur mit den besten Baumeistern der schönsten Lauben (Statussymbol, Ästhetik). Romantischer wird es, wenn das Laubenvogelmännchen zur Begrüßung des erfolgreich angelockten Weibchens ein buntes, schönes Objekt, meist eine Blume, im Schnabel bereithält. Wußtet ihr darüber Bescheid?
Von dieser Geschichte wußte auf jeden Fall das Paar Phil Moore und Beth Tacular. Sie müssen davon so entzückt gewesen sein, daß sie sich nach diesen inspirierenden Vögeln „Bowerbirds“ nannten.
Und es gibt noch mehr, was die Band mit den Vögeln verbindet, das Paar wohnt naturnah in einem Airstream-Trailer im Wald und nimmt dort entzückend herzliche, knarzige, industriekritische Lieder auf. Konsequenterweise nutzen sie dazu auch nur akustische Instrumente wie Gitarre, Violine und Percussion sowie vor allem ein wunderschön klingendes Schifferklavier. Im Lied "Human Hands" verirrt sich auch mal ein swingendes Barpiano, welches aber nicht im Grundrepertoire enthalten ist. Mark Paulsen übernimmt gelegentlich Violine und Percussion, er war schon mit Phil Moore in der Vorgängerband „Ticonderoga“, nach der auch ein Stück der vorliegenden Platte benannt wurde.
Die Bowerbirds machen also systemkritische Wald und Wiesenmusik, die mich zusätzlich an Piratenmusik erinnert, besonders wenn alle drei singen. Diese Wahrnehmung wird vom Akkordeon unterstützt, welches mich an Ozeane, Schiffe und weite, endlose Reisen denken läßt. Die Musik ist ansonsten spärlich instrumentiert und auf das Wesentliche reduziert. Man kann mit der Musik atmen. Sie wirkt wie ein Baum, kraftvoll und groß, aber nicht überladen. Man fühlt sich beim Hören wie nach einem langen Spaziergang im Park – irgendwie lebendig. Dabei umschlingt die Violine und das Schifferklavier immer sehnsuchtsvoll die Stimme von Phil Moore, der alles anklagt, was die Natur, die Wälder und Seen zerstört und besetzt hält, wie in dem Song The Marbled Godwit: “Death to the civilized, hoarding the land and the sea”. Inhaltlich geht es also um die begrenzten Schätze der Erde, die die Bowerbirds als ebenso heilig ansehen wie die unbegrenzte Liebe, die man auf dieser Erde selbst finden kann. Die Texte machen auf Probleme aufmerksam, die wir schon kennen, aber sie verpacken ihre Anklage in lyrische Metaphern und sind dabei nie völlig resignierend. Die Hoffnung schwingt und schwimmt im Boot der Bowerbirds immer mit: “We never lose hope and we keep this wood fire stoked, while the bitter winds blow.”
Die Bowerbirds bieten uns mit ihrer Musik Schutz und spenden Kraft für Situationen, in denen man fassungslos und kopfschüttelnd an der Welt und den dazugehörigen Menschen zweifelt. Bei aller Zivilisationskritik bietet die Laube der Bowerbirds dennoch ein warmes Nest, einen Erholungsort von der sich sonst viel zu wichtig nehmenden Popmusik."
Wenn also Linus o.a. solche schönen Platten lieber von einer "etwas" kompetenteren Person besprechen lassen möchte, ich stelle gern den Kontakt her :D
die_jule 01.10.2008 | 15:23:49
let's kiss and make up
huch
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