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Audrey / September Malevolence

»'The Fierce And The Longing' / 'After This Darkness, There Is A Next'«

[Beide A Tender Version / Al!ve]

Text: Julian Stetter

Während die Tage in Schweden langsam wieder länger werden, liefert A Tender Version zwei Produkte des dunklen Winters ab. Den Bands aus Göteborg steht die Finsternis ins Gesicht geschrieben, ihre Musik besitzt etwas von apokalyptischen Hymnen. In der einen Ecke stehen die vier Frauen von Audrey.

 

Seit 2002 bringen sie ihre engelsgleichen Stimmen und ein zum Riffwerkzeug verwildertes Cello, klingen mal dünn und mal druckvoll, vor allem aber zärtlich. Stolpernde Violinen und weiche Bläser wechseln sich mit dichten Hintergrundchören ab, und Popmomente steigern sich zu post-rockigen Ausbrüchen, ohne jedoch wirklich zu detonieren. Vertreibt "The Fierce And The Longing" auch rationale Gedanken, sticht der Song als solcher in dem 38-minütigen Sammelsurium dunkler Klagelieder nur wenig hervor. Perlen wie das eingängige "Bleak" gehören zur Minderheit, stattdessen kehrt auf Albumlänge zeitweilig Monotonie ein. Dass das komplette Album in einer zweiwöchigen Studiosession entstand, mag der Grund für diesen Eindruck sein. Und ob die Charaktere hinter Audrey wirklich so zerbrechlich sind und ihnen die Musik lediglich als Antidepressivum dient, das bleibt schwer durchschaubar.


Dem gegenüber stehen die vier Herren von September Malevolence. Ebenfalls den bodenlosen Elegien verschrieben, ist hier aber vor allem der sozialkritische Überbau zentrales Thema. Lyrics über die legendären gesellschaftlichen Missstände: Stillstand, staatliche Überwachung und Oberflächlichkeit - gewandet in dramaturgische Post-Rock-Songs. Die Band verzichtete übrigens bis zu ihrem Vorgängeralbum noch komplett auf Gesang. Die unhysterischen Vocals setzen seitdem aber auch nur die Krone auf die Intrumental-Epen, selten sind sie prägendes Stilmittel.

 

Cello versus Gitarre, Frauen versus Männer - statt die zwei MySpace-Top-Freunde gegeneinander auszuspielen, stellt sich der gemeinsame Nenner als viel interessanter dar. Das analoge Vertonen dunkelster Momente und tiefster Traurigkeit für Anlässe wie Weltuntergänge und Ähnliches. PS: Okay, ihr wollt es doch nicht anders - Profilaufrufe Audrey 85.473, September 44.962 (Stand: irgendwann im Mai).
 



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aus Intro #162 (Juli 2008)
 
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