Max Müller
»Die Nostalgie ist auch nicht mehr das, was sie einmal war«
[Angelika Köhlermann / Broken Silence]
Text:
Martin Büsser
[5 Kommentare]
Max Müller ist ein Unzeitgemäßer. Einer, der sich noch nicht damit abgefunden hat, dass sperrige Musik längst in die Weiten von MySpace verbannt worden ist und nicht mehr für ein prall gefülltes SO 36 sorgt.
Zusammen mit seiner Band Mutter ignoriert Max Müller seit Jahren beharrlich die veränderten Marktbedingungen, scheitert daran ökonomisch auf dramatische Weise und ist gerade deshalb schon zu Lebzeiten eine Legende geworden - immerhin gibt es über Mutter bereits einen aufwendig gedrehten Dokumentarfilm -, wovon er sich natürlich nichts kaufen kann. Sein neues Soloalbum kommt nicht ganz so brachial wie Mutter daher, dennoch steht zu befürchten, dass das mal wieder keine Sau interessiert, denn mit dem flippig-belanglosen Popverständnis der Berliner Republik und ihrer Kinder haben diese Songs rein gar nichts zu tun.
Bereits der CD-Titel ist großartig gewählt, denn er federt genau das ab, was der gemeinste und dümmste Vorwurf gegenüber diesem Album sein könnte - nämlich, dass es nostalgisch einer längst nicht mehr relevanten Punk/Wave-Sperrigkeit anhänge. Weil aber selbst die Nostalgie nichts mehr zählt, braucht man ihm mit diesem Vorwurf erst gar nicht kommen. Was kann Max Müller dafür, dass 90 Prozent seiner Weggenossen von einst inzwischen nach Schlager klingen, weil nur das die Miete finanziert?
Beruhigend, dass wenigstens einer noch dort weitermacht, wo es im belebenden Sinne wehtut, wo musikalische Unausgegorenheit für Reibeflächen sorgt, welche wiederum das Ohr für die großartigen, nicht minder kompromisslosen Texte schärfen, die Menschen mit Gürtelschnalle genauso zum Kotzen finden wie die reichen, schönen, gebildeten Kriegsgewinnler der Agenda 2010.
Hier tritt einer an, der die Unübersichtlichkeit der Postmoderne, die es unmöglich mache, noch klare Feinde zu benennen, nicht akzeptiert. In dieser Musik wimmelt es vor Feinden und inakzeptablen Lebensmodellen. Es werden nicht weniger, es werden immer mehr. Max Müller findet sich mit nichts ab, hat mit niemandem seinen Frieden geschlossen. Deshalb gehört diese komplett anti-nostalgische Platte nicht ins Museum, sondern in möglichst viele CD-Player.
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mistawill 15.07.2008 | 22:15:26
das ist wirklich ein wunderbares album geworden. bei last.fm gibt es einiges daraus zu hören: Link
aus der aktuellen spex:
"Diese ganzen Leute, die sich da so klar positionieren: "Das ist gut, das ist böse, das darf man nicht machen. Man darf nicht bei McDonald's Pommes essen. Da unterstützt du ja dieses ganze Schweinesystem." Weißt du, wenn ich da aber Bock auf diese Scheiß-pommes habe, ich mein, da geht doch die Welt nicht von unter. Das Leben ist zu kurz und zu blödsinnig, um immer diese Grundsätze zu befolgen. Ich kann gucken, dass ich nicht die Leute in meiner direkten Umwelt wie Scheiße behandle, und selbst das fällt ja schon vielen sichtlich schwer.
Axolotl 18.07.2008 | 05:05:13
Gutes Zitat, sehr sehr gutes Album...
Axolotl 23.07.2008 | 05:02:03
Manchmal muss ich bei dem Album an Tobias Gruben denken, obwohl der wohl noch ne Nummer finsterer war.
Legoland 23.07.2008 | 08:41:15
Legolize it!
ach, tobias gruben. von cyan revue habe ich die erste platte im schrank. das cover ist beklebt mit schmirgelpapier, was in der folge einige andere cover bereits ein bischen zerstört hat. an die erde kann ich mich kaum erinnern. habe sie irgendwann mal zusammen mit dem schwarzen kanal gesehen. back in the days.
Axolotl 23.07.2008 | 18:20:37
Mit Schmirgelpapier? Eine Spitzenidee für den Plattenschrank, haha.
Die Erde fand ich damals toll, wahrscheinlich weil ich die im Grunde wirklich vorhandene Zerquältheit fälschlicherweise durch den Humor- bzw. Sarkasmusfilter laufen ließ... Mag ich aber manchmal immer noch hören, in kleinen Portionen.
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