Tindersticks - The Hungry Saw Artikelbild (groß)

 
 
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Tindersticks

»The Hungry Saw«

[Beggars Banquet / Indigo / VÖ: 25.04.2008 ]

Text: Frank Schuster

&
Pen Expers
Bring On The Heartache
Fold4 / Cargo

Oh ja, das Herz. Die einen bilden es auf dem Cover ihres Albums ab und lassen die titelgebende "hungrige Säge" daran nagen. Die anderen nehmen gleich das Wörtchen "Herzleid" in den Debüttitel auf.


Die einen, das sind die Tindersticks, die nach einer Pause von fünf Jahren mit "The Hungry Saw" ihr siebtes Album veröffentlichen. Die anderen sind das schwedische Quintett Pen Expers, das sich auf einer Straßenbahnfahrt nach Hause gegründet haben will - noch ganz euphorisiert von einem Konzert, das sie gerade besucht hatten, aufgetreten waren: die Tindersticks.

Fünf Jahre Pause sind nicht ganz so lange wie die zehn Jahre Auszeit, die sich Portishead gegeben haben. Die Tindersticks mögen zwar nicht Aushängeschild eines neuen Popgenres gewesen sein, für viele waren sie aber in den Neunzigern ähnlich wichtig. Und man konnte an ihnen ebenso herrlich seine Melancholie ausleben. Erwartungsgemäß haben sie die traurigen Klänge nicht aufgegeben. Ihre Songs sind jedoch abgespeckter, die opulenten Streicherarrangements, die ihre früheren Songs zu Minidramen verwandelten, sind fast ganz über Bord geworfen. Nichtsdestotrotz ist es ein emotional bewegendes Album, was vor allem an dem charismatischen Sänger Stuart A. Staples liegt, dessen tiefe Stimme (die schon immer alt klang, selbst, als er noch Ende zwanzig war) noch gereifter und nuancenreicher ist. Um seine Minidramen auszugestalten, hat er viel von alten Soulsängern gelernt. Er und seine Tindersticks waren immer schon an Black Music, auch Jazz, orientiert, was die schwarze Szene, Dark Waver und Gothics, jedoch nicht abstieß.

Soul- und Jazz-Elemente sucht man bei Pen Expers vergeblich. Sie orientieren sich vielmehr an Blue-Note-cleanen Bands wie Joy Division und Interpol. Wie bei vielen jüngeren Bands aus dem derzeit nur so sprudelnden Skandinavien muss man anerkennend sagen, dass sie ihre Lektionen gut gelernt haben. Sie klingen ungemein professionell, beherrschen das Pop-Subgenre, das sie besetzen, aus dem Effeff. Allerdings fehlt ein wenig das Originelle, das sie von anderen abhebt. Vielleicht sollten sie sich noch einmal genauer die frühen Tindersticks-Alben anhören, die ob ihrer Verschrobenheit, Antiquiertheit und Verweigerung damaliger Trends (Britpop etc.) eine ziemliche Überraschung waren.




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