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Guillemots

»Red«

[Polydor / Universal / VÖ: 02.05.0008 ]

Text: Christian Steinbrink

Sie sind fast schon mythisch aufgeladen in aller Munde, bei Kritikern wie bei Fans: die Umstände, unter denen Bands sich dazu gedrängt sehen, ein Album eingängig und massenkompatibel zu gestalten. Aber was wohl wirklich dahintersteckt? Wie Einflussnahme dieser Art wohl in echt aussieht? Ob man als Band selbst auf solche Ideen oder in solche Nöte kommt? Ich habe nie eine große Platte aufgenommen und weiß es daher nicht.


Vielleicht sollte man mal die Guillemots fragen. Denn deren stilistischer Fortgang scheint mir beispielhaft kurios. Ihre ersten EPs habe ich noch vage als besonders drollig, blumig und ausgefallen in Erinnerung, und wenn das stimmt, ist die Entwicklung hin zum vorliegenden Album mehr als radikal. Denn die Guillemots sind hier zwar auf eine androgyn schillernde Art und Weise glamourös, haben aber ihre arglose Soundkreativität verloren. Die Platte ist zwar variantenreich und extrovertiert, klingt aber durchgehend seltsam plastisch produziert. "Kriss Kross" ist ein mittelmäßiges Manics-Stück, die Single "Get Over It" hat einen plump eingängigen Refrain zwischen Mika und Europe, und auch Queen, Scissor Sisters oder George Michael schimmern des Öfteren durch.

Was folgt, ist klar: Entweder geht die Band durch die Decke oder hoffnungslos baden. Jedenfalls klingt das Album so entschieden, dass man davon ausgehen kann, dass die Band es genau so gewollt hat. Reizvoll verreckt zwischen exaltierter Ambition und Hochglanz. Vielleicht haben sie ja schlimme Schulden oder so.




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