El Perro Del Mar
»From The Valley To The Stars«
[Memphis Industries / Coop / Universal / VÖ: 06.06.2008 ]
Text:
Heiko Behr
Es gibt Platten, die fallen aus der Zeit. Und dann wird es plötzlich höchstpersönlich. Aktuelle Sounds spielen keine Rolle mehr, Referenzbands rücken in den Hintergrund, überhaupt wird das Einordnen in die Musikhistorie zu einer nebensächlichen buchhalterischen Engstirnigkeit.
Ein solches Erweckungserlebnis passierte mir bei El Perro Del Mars erstem, selbst betitelten Album. Dort sang eine Stimme von unendlicher, bodenloser Traurigkeit, balancierte dabei jegliche Weinerlichkeit aus, jedes Selbstmitleid. Eine Baby-Doll-Stimme, die zweifelte, mit sich rang und dennoch Würde und Stärke ausstrahlte. Die spärlichen Arrangements federten die Traurigkeit gekonnt ab, ohne dabei sonnenscheinig zu werden. Mit einem Wort: betörend. Auf ihrem zweiten offiziellen Album hat Sarah Assbring, das einzige Mitglied hinter diesem Projekt, angeblich den Göteborger Symphonie Chor in ihr Zimmerchen gelassen. Dank ihrer unglaublichen Präsenz bleibt es dennoch stets luftig, hier geht es nicht plötzlich darum, mit donnerndem Orchester zu überwältigen. Sowohl textlich als auch musikalisch wird hier immer weiter destilliert, mantraartig werden die nach wie vor tieftraurigen Texte wiederholt, bis sie zu purem Sound werden und ihre Semantik verloren haben. El Perro Del Mar steht für sich allein mit ihrer Intensität. Ganz allein. Wie geht es Sarah Assbring damit?
"From The Valley To The Stars" klingt in den Arrangements sogar noch trauriger und einsamer als die erste Platte ...
Findest du? Dann habe ich wohl versagt, weil ich eigentlich diesmal etwas hoffnungs- und liebevoller in meiner Message sein wollte. Vielleicht liegt das an meiner Melancholie, die ich so tief in mir trage, dass ich sie irgendwie nie ganz loswerde. Traurig wollte ich die Zuhörer eigentlich nicht machen.
Viele Texte und Sounds basieren auf Wiederholungen, geht es dir um einen tranceartigen Zustand?
So arbeite ich eben. Es ist ein sehr intuitiver, natürlicher Prozess. Aber tatsächlich liebe ich mantraartige, meditative Musik, dazu alten Blues, Folk - wo ja ähnlich gearbeitet wird, das sind eben wichtige Einflüsse für mich.
Geht es dir letztlich um Katharsis?
Wahrscheinlich. Ich schreibe, wenn ich auf der Suche bin nach Erleichterung emotionaler Art. Das kann dann traurig oder glücklich sein. Das Gefühl, überwältigt zu sein von Gefühlen, das ist sowieso der Ausgangspunkt für meine Musik.
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