Bon Iver
»For Emma, Forever Ago«
[Beggars / Indigo / VÖ: 19.02.2008 ]
Text:
Christian Steinbrink,
Thomas Venker
Wenn eine Stilart eine derart lange und bedeutungsvolle Tradition besitzt wie Folk, besteht oft das Problem, dass ihre Darstellungsform so felsenfest determiniert ist, dass Neues darin schwer vorstellbar und noch schwerer umzusetzen ist. Aber ein bisserl was geht immer noch ...
Helden wie Dylan sind so unwiederbringlich im Kollektivgedächtnis verankert, dass jeder früher oder später über sie stolpert und dem ewig jungen Reiz ihrer Interpretationen erliegt. Nur ganz selten schafft es ein Musiker, diese Bürde der Genreahnen zu überwinden. Bon Iver ist es gelungen und hat damit ein Album der Extraklasse zusammengestellt. Und das kommt völlig unvermittelt, es ist ein Debüt von einer beneidenswerten Souveränität.
"For Emma ..." ist ein Lo-Fi-Album mit einem so romantischen Ursprungsmythos, dass ich hier am liebsten das Promoanschreiben abtippen würde. Das überlasse ich aber doch lieber anderen. Nur kurz: Nach dem Ende seiner vormaligen Band hat sich Bon Iver a.k.a. Justin Vernon allein in die Einöde zurückgezogen und mit nur wenigen Instrumenten unter kargen Bedingungen die Demos produziert, die diesem Album zugrunde liegen. Sie können nicht so viel anders geklungen haben als das Endprodukt, denn das Album macht die einsame, aber heimelige Stimmung völliger Zurückgezogenheit mehr als deutlich. Die neun Songs sind durch die Bank wunderschön, mit eher intuitiven als konventionellen Strukturen wie Arrangements und einer subtilen und doch stimmungsvollen Atmosphäre zum Niederknien. Darüber singt Vernon mit einer hohen, flirrenden und doch seltsam artifiziell wirkenden Stimme, die seine Musik noch außergewöhnlicher macht als sowieso schon. Songs wie "Skinny Love" sind von einer Klasse, dass sie auch beim hundertsten Durchlauf nichts von ihrer Kraft verlieren, ich kann das sagen, denn so lange läuft der Song hier schon. Die unverständige Emma weiß nicht, was ihr entgangen ist. Dumm von ihr. Denn die ihr gewidmete Platte ist so eigenständig und gut, dass aus den letzten Monaten höchstens noch die letzte José Gonzáles ansatzweise vergleichbar ist. Meisterwerk. Vier Fragen an Bon Iver:
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