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Anja Schneider

»Beyond The Valley«

[Mobilee / Rough Trade / VÖ: 16.05.2008 ]

Text: Sebastian Ingenhoff

Techno ist, wie die meisten anderen Musikrichtungen auch, ein Männerzirkus. Ellen Allien meinte mal, neunzig Prozent aller Demos, die sie für ihr Label BPitch Control zugeschickt bekäme, stammten von männlichen Künstlern. Wie war das damals noch mit den Verheißungen der radikalen neuen Musik? Sollte die Idee des Popstars, egal, ob männlich oder weiblich, nicht gar gekillt werden, während die Crowd sich in ein Utopia aus unendlicher Freiheit und Glückseligkeit tanzte?


Waren nicht eh alle geschlechtslose Androide? Doch dann kamen die Neunziger, und die Karawane der Star-DJs rollte durchs Land. Echte (überwiegend männliche) Menschen, die sogar in Fleisch und Blut in Musikvideos auftraten. Und heute? Weibliche erfolgreiche DJs fallen mir spontan einige ein, aber leider auch nicht übermäßig viele: Ada, Dinky, Magda, Jennifer Cardini, Chloé, Shinedoe, Electric Indigo und ihr Female-Pressure-Netzwerk, Kate Wax, Miss Kittin. Weibliche DJs und Produzentinnen, die obendrein auch noch ein Label verwalten, sind deutlich rarer gesät.

Ellen Alliens BPitch Control zählt sicherlich zu den wichtigsten Technofirmen, die es hierzulande gibt. Dem Label kommt unter anderem das Verdienst zu, Modeselektor und Feadz groß gemacht zu haben. Ellen Alliens letztes eigenes Album liegt zwei Jahre zurück. Damals veröffentlichte sie zusammen mit Apparat "Orchestra Of The Bubbles", eine sehr abwechslungsreiche Platte zwischen Poptechno und Electronica. Davor gab es das Vocal-lastige und fast Song-orientierte "Thrills". Von daher überrascht das neue Album doch etwas: "Sool" ist atmosphärisch dicht und minimal, einige Stücke klingen eher nach Richie Hawtins M_nus als nach BPitch, manche lassen an Chloés letztjähriges "The Waiting Room" denken. Einzig bei dem wundersam esoterischen "Frieda" wird richtig gesungen, oder vielmehr gehaucht. Das Björk'artige Stück bildet die Klimax einer schönen Platte, der man deutlich anhört, dass sie im kalten Berliner Winter entstanden ist.

Anja Schneider verdiente sich die Meriten in erster Linie über ihre Radioshow "Dance Under The Blue Moon" bei Radio Fritz und durch das von ihr betriebene Label Mobilee, wo nun auch "Beyond The Valley" erscheint. Ging es Ellen Allien immer schon darum, sich bei den Eigenveröffentlichungen musikalisch von ihren DJ-Sets abzuheben, bekommt man bei Anja Schneider ziemlich genau das, was man erwartet: eine solide Technoplatte ohne Experimente und Kompromisse, gerader Beat, ein bisschen Geflirre bei den Höhen. Gut zum Vorglühen, ansonsten eher nichts für zu Hause.



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