Schlammpeitziger - Schwingstelle für Rauschabzug Artikelbild (groß)

 
 
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Schlammpeitziger

»Schwingstelle für Rauschabzug«

[Sonig / Rough Trade / VÖ: 20.03.2008 ]

Text: Christoph Büscher

Schlammpeitzigers Lieblingstöne sind meist kleine Rabauken. Die dürfen dann auf seinen Platten Radau machen, ordentlich rumdölmern oder einfach nur leicht angeschickert durch die Gegend eiern. Freundlich oder auch mal etwas nervig, quietschig oder leicht zerknautscht, manchmal auch ordentlich schief und verzerrt - der Sound-Pluralismus in Jo Zimmermanns Casio-Wunderland kennt keine Grenzen.




Fünfzehn Jahre geht das bei dem Kölner Musiker und Maler jetzt schon so, und der Spaß daran lässt bisher bei keiner seiner unzähligen Veröffentlichungen nach. Was immer auch an den Wort-Ungetümen liegen kann, mit denen er seine Stücke benennt. Meine Highlights diesmal sind: "Zügelloser Zeilenzieher", "Stompja Stricksekret" oder "Dauerdachdecker Dritter". Auf "Schwingstelle für Rauschabzug" finden sich einige deutlich druckvollere und tanzbarere Stücke. Etwa "Bassbestie's Blässe" - da wummert eine stoische, aber gleichzeitig beschwingte Ein-Ton-Basslinie unter der schrebbeligen Melodie. Oder "Wuup Wolgawahn", wo zu gerader Bassdrum die Tanzneigung maximal ansteigt.

Allerdings sind diese eher "funktionalen" Elemente wie immer nur der Einstieg in die skurrile Klangbaustelle Schlammpeitzigers, dessen Freude an unerhörten Sounds und an der Arbeit im Detail mit jedem Hören der Platte deutlicher wird. Schlammpeitzigers Sound ist über die Jahre immer weniger niedlich, dafür aber umso körperlicher und hypnotischer geworden, ohne dabei das Augenzwinkern zu verlieren. Große, herzenswarme Musik ist das natürlich sowieso.





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aus Intro #160 (Mai 2008)
 
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