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The Last Shadow Puppets

»The Age Of The Understatement«

[Domino / Indigo / VÖ: 18.04.2008 ]

Text: Christian Steinbrink

Ein Seitenprojekt. Von einem jungen, rotzigen Rocker. Was soll der schon groß an künstlerischen Ambitionen, die über seine Hauptband hinausgehen, auszuleben haben? Der war doch bestimmt bloß betrunken, und Domino ist gezwungen, das zu veröffentlichen, um ihren Goldesel nicht zu verschrecken. Nahe liegend, dieser Gedankengang.




Schließlich geht es um Arctic-Monkeys-Sänger Alex Turner, den Flegel, schließlich wurde das Album zusammen mit seinem Schnöselkumpel Miles Kane von The Rascals innerhalb von wenigen Wochen irgendwo in der französischen Provinz aufgenommen, bestimmt unweit der Grenze zu den Staaten, in denen es Marihuana frei zu kaufen gibt. Dabei kann doch nur ein Album voll mit plumpem Vollrock oder pickeligen Insiderwitzen herauskommen. Könnte man denken.

Die Wahrheit sieht ganz anders aus. Denn "The Age Of Understatement" ist ein Volltreffer, durchgehend groß und sogar noch deutlich hintersinniger als alle Arctic-Songs zusammen. Völlig intuitiv und ohne großen Vorlauf leben die beiden 22-Jährigen ihren Sinn für opulent produzierten Pop der 1960er und -70er aus, spielen den routinierten Crooner, den Gentleman und generösen Liebhaber. So frisch wie lange niemand lassen sie den souligen Pop des Electric Light Orchestra, des frühen Scott Walker, Lee Hazelwood oder sogar Van Dyke Parks aufleben. Vielleicht nicht ganz so ausgefeilt wie Letztgenannte, aber trotzdem ungemein wirkungsvoll.

Sie haben geschmackvolle und voll klingende Arrangements hinbekommen und sich ein Dutzend Mal neu erfunden. Sie haben eine Geschmeidigkeit entwickelt, die selbst Jarvis Cocker in den Schatten stellt. Sie machen das alles fast ganz allein, nur James Ford hilft als Produzent und Drummer, außerdem noch Owen Pallett (Final Fantasy) bei den Geigenarrangements, und der ist auch der Einzige, den man in dieser Konstellation hätte erwarten können. Alles andere ist schier unfassbar. Allein schon die völlig überraschenden Elder-Statesmen-Qualitäten, die speziell der Gesang Turners hier offenbart. "The Age Of Understatement" ist eine Platte, die die Parameter des zeitgenössischen Pop umzustellen in der Lage ist. Bei Gott, ich werde diesen kleinen Bengel nie mehr unterschätzen.




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