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Boredoms

»Super Roots 9«

[Thrill Jockey / Rough Trade / VÖ: 11.04.2008 ]

Text: Joachim Henn

Die Schellen klingen von einer Seite auf die andere, der Chor setzt ein, leicht unterstützt von der Orgel, etwas Schnee im Sinn, aber auf dem Schlitten hereingezogen wird nicht etwa Santa, sondern die Boredoms für ihre zweite Live-Scheibe. Nach fast neun Jahren gibt's eine Fortführung der "Super Roots 9"-Serie, hier in Form eines einzigen Stücks, das die Japaner bei einem Heimspiel tatsächlich am 24. Dezember 2004 live mit einem 20-köpfigen Chor, ähem, aufgeführt haben.




Der Ritt verläuft in unglaublichem Tempo, mittendrin bremst perkussive Ekstase den Chor auf halber Geschwindigkeit aus. Nur ein virtuoses Fenster allerdings, denn im Shinkansen-Tempo geht's munter weiter im Wechselspiel zwischen Schlagzeugen und Chor (teils bis in schwindelerregende Höhen gepitchte, mal kadenzartig in Flächen, mal rhythmisch eingesetzte Vocals), der freilich nichts anderes erfüllt als die Funktion eines weiteren Instruments. Irgendwann fallen die Keyboards in etwas tiefmittigere Frequenzbereiche ab und schieben eine weitere Portion Drive nach, und einigen weiteren Einschnitten und Keyboard-Eskapaden zum Trotz rollen die Schlagzeugstöckchen unbeirrt wie ein Uhrwerk.

Nach 40 Minuten findet der Wahnsinn in klingelnden Hallräumen, Keyboardflächen und Solo-Gesang (!) ein Ende, und es nimmt kaum Wunder, dass das ja nun nicht eben als rhythmusfeindlich bekannte Chicagoer Label Thrill Jockey die Japaner an Land gezogen hat.



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