BEWERTEN
 

1000 Robota

Hamburg brennt

[Tapete / Indigo]

14.04.2008, 17:50, Text: Wolfgang Frömberg

Als greiser Pop-Opa innerlich schon längst bereit, seine Memoiren zu schreiben, blickt man ja eher neidisch auf das junge Gemüse, das noch nach den Sternen - oder einfach mal ordentlich in die Saiten - greift. Und dann kommt immer wieder diese Waschlappenprosa mit unmotiviertem Geschrammel aus den Boxen.




Unweigerlich denkt der Opa an Justus Jonas und Schwimmflügelchen, kehrt die Langeweile untern Teppich, erträumt sich halluzinogenes Gandenbrot und hört die neue Santogold an. Die nicht ganz volljährigen 1000 Robota klingen dagegen gleich auf sehr zeitgenössische Weise nach 1977, wo der Opa herkommt. Die drei Jungs mischen mit den paar Songs ihrer superreferenziell "Hamburg brennt" betitelten Debüt-EP dessen greisen Kulturpessimismus gehörig auf.

Bevor es in D-Land jemand gemerkt hat, sind sie ähnlich wie Mit schon in England angekommen - kein Wunder, wo ihre zwischen Gang Of Four zu Entertainment-Zeiten und frühen Abwärts-Spiralen sägenden Gitarren über Punk-dubbigen Basslines mit den gedoppelmoppelten Agit-Vocals doch mehr nach Arbeiterklasse als nach Klassenarbeit klingen. Dabei raunt der Songtitel des eröffnenden Stücks so wunderbar ernst, so verbissen ernst, wie man eine Platte mit fünf Liedern drauf halt nehmen sollte: "Es geht nun mal um etwas." Das hört sich für den Opa so an, als wären die Lümmel gerade in den Krieg gezogen, aus dem er vor Jahren schon zurückgekommen ist.



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