Moby
»Last Night«
[Emi / VÖ: 28.03.2008 ]
Text:
Heiko Behr
Fast jeder lässt "Play" irgendwo im Ikea-Regal vor sich hin stauben. Oder hat es zumindest eine Zeit lang ziemlich oft hören müssen. Irgendwo müssen die neun Millionen verkauften Platten ja schließlich rumstehen heute.
Aber warum eigentlich war die Platte so allgegenwärtig? Weil "Honey" so eingängig war? Weil "Porcelain" so geil abging? Na ja, vielleicht. Vor allem aber hat Moby damals einen neuen Trend angestoßen: Er hat seinen Output en masse lizenzieren lassen. Sodass seine Songs plötzlich in allen möglichen Werbespots gesichtslosen Produkten eine gewisse popkulturelle Aura verliehen. Und im Gegenzug auch Werbung für sich selbst machten. Wenn man sich dann mal seine Veröffentlichungen seit 1999 anschaut, merkt man: Der berühmteste Veganer der Welt überarbeitet sich nicht gerade.
"Last Night" ist erst die dritte komplette Platte seit "Play". Dazwischen zwei B-Seiten-Alben, eine Best-of und eine Best-of-Remixed! Große Inspirationen sind dann auch auf "Last Night" nicht zu erwarten, im Gegenteil scheinen ihm die eingängigen Blues-Samples auszugehen. Das pluckert alles vor sich hin, und selbst die dramatischen Pianoflächen gehen ins emotionale Nichts. Mit den Lizenzierungsdeals wird es wohl nichts mehr werden für Moby. Mal nachfragen:
Dir ist ja sicher bewusst, dass über dich sehr viele Vorurteile kursieren ...
1991 habe ich einige Interviews in der britischen Presse gemacht. Und das ist scheinbar bis heute haften geblieben: Damals trank ich nicht, war ein etwas schräger Christ, Veganer - ich habe die Welt damals etwas vereinfacht gesehen. Heute halte ich die Welt eher für zu kompliziert. Aber irgendwie bleibt das Image haften. Fünfzehn Jahre lang ...
Stört dich das denn, dass viele Leute zu wissen glauben, wer du bist und wie du so tickst?
Ehrlich gesagt ist da was pervers Unterhaltendes für mich dabei. Ich kann mich darum aber auch nicht wirklich kümmern. Letztlich ist es ja auch für die Presse so: Schau dir Thom Yorke an oder Kate Bush, sehr zurückgezogene Menschen. Die Journalisten beklagen sich dann, dass sie keine vernünftigen Interviews führen können, andererseits fahren sie total drauf ab - und schreiben die besten Dinge über diese Leute. Wenn ich schlau wäre, würde ich mich in eine Hütte in Finnland zurückziehen und der Plattenfirma ab und an eine Kassette schicken.
Denkst du manchmal: Mein Gott, wann ist mir dieses Moby-Ding eigentlich aus dem Ruder gelaufen?
Ich hab ja nicht an meinem Image gefeilt oder so. Mein Gott, ich hätte komplett versagt, wenn das hier dabei rausgekommen wäre. Leute wie Jon Bon Jovi arbeiten hart an ihrem Image. Ich bin nur der glatzköpfige Typ, der in seinem Schlafzimmer Platten macht. Ich wär ja gern glamouröser, aber ehrlich gesagt weiß ich nicht, wie das gehen soll ...
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