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Gutter Twins

»Saturnalia«

[Sub Pop / Cargo / VÖ: 07.03.2008 ]

Text: Christian Steinbrink

Greg Dulli (Afghan Whigs, Twilight Singers) und Mark Lanegan (Sreaming Trees) sind: Gutter Twins. Wow. Wahnsinn. Hätte man wohl noch vor wenigen Jahren gesagt. Was für eine Supergroup des Alternative-Rock.



Heute gilt diese Stilart ja als komplett unmodern, Opamusik, da gerät niemand mehr so leicht in Wallung. Sollte er/sie aber. Denn dieses Album ist ein Meilenstein. Es hat das Zeug, zusammen mit dem unlängst erschienenden Black Mountain-Album eine Art Heavyrock-Revival einzuläuten. Wenn man in solchen Kategorien denken mag.
Die Zusammenkunft dieser beiden Charismaten, immerhin zwei der besten Stimmen des Rock ever, ist in vielerlei Hinsicht überraschend, wenn nicht sensationell. Zum einen hatte man nicht unbedingt erwarten können, dass diese als durchaus schwierig geltenden Charaktere einen zweiten Frontmann neben sich auf Albumlänge dulden können. Zum anderen hatten sowohl Dulli als auch Lanegan in den letzten Jahren aufgrund von Suchtproblemen genug mit sich selbst zu tun. Trotzdem verstanden sich die beiden immer gut, und als Lanegan in einem Journalistengespräch ins Blaue hinein ein gemeinsames Album ankündigte, schien Dulli, obwohl ungefragt, nicht abgeneigt.

Das Ergebnis, "Saturnalia" beweist zunächst einmal die Akribie, mit der die beiden an dem Projekt arbeiteten. Grundlegend ist die Platte der soulbasierten Dynamik der Afghan Whigs näher als Lanegans Soloarbeiten. Sie ist aber auch deutlich dichter und atmosphärisch substanzvoller als alles, was Dulli auf seinen letzten Arbeiten vollbrachte. Die Stilart der beiden ist Rock, daran wagte niemand zu rütteln, sie haben sich aber die Freiheit genommen, Arrangements anzulegen, die in ihrer Epik durchaus etwas von experimentellen Rockbands wie Silver Mt. Zion oder auch Bohren & The Club Of Gore haben. Trotzdem ist es gerade die fast alle Songs durchsetzende Dynamik, die "Saturnalia" unwiderstehlich macht. Diese langsam wabernde, raue, aber nie brachiale Gewalt, die sich durch die Harmonien rollt, und von den erstaunlich gut zueinander passenden Stimmen Dullis und Lanegans gleichzeitig gekrönt und unterfüttert wird.

Die Stimmung der Platte ist düster, sie ist durchtränkt von der beseelten Spiritualität ihrer Protagonisten, Gottesfurcht und Gottvertrauen durch die Erfahrung vieler dunkler Lebensphasen sind eng ineinander verschränkt nicht nur in Stücken wie "Who Will Lead Us?" hörbar. Ganz klar: "Saturnalia" ist die komplexeste und beste Rock'n'Roll-Platte seit langem. Man muss sicher viel gelebt haben, um so ein Album machen zu können. Und selbst dann schaffen es höchstens solche Koryphäen wie diese beiden ehrenhaft zerfurchten Alten.



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