The Black Keys
»Attack & Release«
[Coop / Universal / VÖ: 28.03.2008 ]
Text:
Felix Klopotek
Auf dieser Platte hätte man beinahe Ike Turner singen hören, denn die Black Keys waren vom Schicksal und vor allem vom Produzent als seine kongeniale Projektpartner auserkoren. Dann kam aber, wie man weiß, alles anders.
Wenn man als cooler Produzent große Erfolge feiert, kann es einem schon mal durch den Kopf zucken: Dieser alte, gescheiterte Held, den man als Kind ganz großartig fand, der bräuchte doch einfach nur den richtigen Produzenten! Danger Mouse (Gnarls Barkley, Gorillaz) hatte wohl so seinen Anfall von Allmachtswahn. Jedenfalls wollte er das neue Album von Ike Turner produzieren. Das sollte nicht irgendein Aufguss werden. Ike hätte Gitarre gespielt und gesungen. Und als Begleitband: The Black Keys, das Garagenduo aus der tiefsten Ohio-Provinz.
\"Danger Mouse hat uns für das Album mit Ike das gesamte Songwriting überlassen\", erzählt Dan Auerbach, Gitarrist der Black Keys. \"Es wäre eine ziemlich roughe Angelegenheit geworden.\" Danger Mouse, Auerbach und Schlagzeuger Patrick Carney waren von dem Material so überzeugt, dass sie es auch nach Turners Ableben vor drei Monaten unbedingt verwenden wollten. So wurde Danger Mouse ihr erster Produzent, The Black Keys haben ihre Alben bislang in Eigenregie aufgenommen und abgemischt.
Jetzt also alles anders? \" Nein\", wiegelt Auerbach lakonisch ab. \"Wir sind immer noch die Alten. Wenn wir im Studio sind, überlassen wir uns ganz unserem Flow, wir haben keinen Masterplan.\" De facto ist aber alles anders: The Black Keys haben das Konzept des Garagenrocks - ausgesparte Arrangements, unbehauener Blues, Live-Atmosphäre - gänzlich hinter sich gelassen. Die Songs klingen verspielter, variieren stark (um das zu dem demonstrieren, packen sie sogar zwei grundverschiedene Varianten eines Songs auf das Album).
Eine Heerschar von Gastmusikern und komisch-fiepsigen Instrumenten (Querflöten!) umspülen den knochigen Blues.
Zusammengehalten wird das Album letztlich durch das Songwriting Dan Auerbachs. \"Ursprünglich hatte ich die Idee, ein Soloalbum aufzunehmen, Singer-Songwriter-Musik.\" Dann wurden die Songs Ike Turner gewidmet, jetzt gehören sie ganz den Black Keys. Die Entstehungsgeschichte des Albums scheint Auerbach selbst nicht sonderlich zu hinterfragen: The Black Keys bleiben für ihn auf ewig die Garagenband aus Akron, und wenn sie demnächst mit Steve Albini in Chansons machen sollten.
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