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Neon Neon

»Stainless Style«

[Lex / Rough Trade / VÖ: 14.03.2008 ]

Text: Henrik Drüner, Bernd Seidel

Als wäre ihm das bunte Songwriting bei den Super Furry Animals nicht bunt genug, veröffentlicht deren Sänger Gruff Rhys nun ein ungleich grelleres Album mit dem Projekt Neon Neon. Zusammen mit Boom Bip alias Bryan Hollon, seines Zeichens Produzent aus L.A., hat Rhys auf \"Stainless Style\" das Leben von Sportwagenhersteller John De Lorean vertont.


Dieser gelangte in den 80ern zu Ruhm, als er das futuristisch anmutende Coupé DMC-12, besser bekannt als \"der De Lorean\", entwarf. Genau, die Zeitmaschine von Marty McFly und Emmett L. \"Doc\" Brown aus der Film-Trilogie \"Zurück in die Zukunft\".

Entsprechend dem ausschweifenden Lebensstandard des Herrn De Lorean geben Songtitel wie \"I Lust U\", \"Sweat Shop\" oder die Single \"Raquel\" - inspiriert durch sein amouröses Verhältnis zu Raquel Welch - die Richtung an. Rostfreien Stil verkörpert der Refrain von \"I Told Her On Alderaan\" dank 80s-Pop und Melodieseligkeit, mit Abstrichen auch \"Steel Your Girl\". Sämtliche Hörerwartungen werden jedoch gegen die Wand gefahren, wenn Rhys und Boom Bip die überwiegend verwendeten Kirmes-Techno-Sounds auch noch durch überflüssige Rap-Beiträge von Gast-MCs (Spank Rock, Yo Majesty oder Fat Lip) veredeln lassen. Und selbst der Background-Gesang von drei der vier Magic-Numbers-Mitglieder im Titelsong kann das Album nicht vor seiner Belanglosigkeit bewahren. Neon Neon wollten klingen wie Rick Springfield oder Cyndi Lauper, um dazu in der anonymen Zelle eines Autos lauthals mitsingen zu können. Der Plan ist nicht aufgegangen.
Henrik Drüner


Ein Konzeptalbum unter den Voraussetzungen von Beat. Wie abgestumpft muss man sein, um dieses seltsame Tier nicht erst mal per se allein dafür bestaunen zu wollen? Aber wie konnte es zu solch einem Ding überhaupt kommen? So kann's wahrscheinlich nur gehen, wenn jemand aus der Erzählerbranche (also aus der Gewerkschaft der verdienten Songwriter) sich auf der Behörde der Sprachlosigkeit (Styler-Electro mit 80s-Flair) anmeldet.

Gruff Rhys ging genau diesen Weg. Der Überdruss der Gitarren und der Wille, auch im Maschinenpark weiter Autor zu sein, bilden so die Eckpfeiler dieses Albums. Und natürlich ist es nicht selbstverständlich, dass so ein Hybrid aufgeht. Er tut aber genau das. Die geschwätzige Interessantheit überrennt nicht die Stimmung, die Neon Neon charakterisiert. Die Songs finden sich alle eingebettet in schwer coole Kühle - an der Schwelle zum Klischee, aber nie darüber. Man ist geneigt, an 80s-Acts wie Propaganda zu denken, natürlich auch an Human League.

Letztlich ist \"Stainless Style\" aber vor allem auch die Ladytron-Platte, die Ladytron nach ihrem Debüt einfach nicht mehr hinbekommen haben. Und wenn einem die vielen kleinen und großen Synthie-Hits nicht reichen, kann man sich sogar noch auf die Biopic-Erzählebene der Texte schwingen. Was kann ein astreines Pop-Album denn noch mehr leisten?
Bernd Seidel



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