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Lichter

»Lichter«

[Loob Musik / Universal / VÖ: 21.03.2008 ]

Text: Oliver Minck

Ab wann darf man eigentlich von einer Schule sprechen? Reichen drei Bands? Wenn ja, dann stehen Delbo, Klez.e und Lichter öfter mal gemeinsam auf dem Pausenhof. Oder eher in der Raucherecke, wo sie Schwarzer Krauser drehen, karge Sätze austauschen und über das Geplärre der anderen Kids mit milder Arroganz hinwegblicken.


Im Universum von Loob Musik, wo nun auch Lichter ihre Heimat gefunden haben, geht es jedenfalls ganz schön ernsthaft zu: Loob Musik ist die Antithese zu all den jugendlich getrimmten Feel-good-Schrammel-Combos, die die deutsche Gitarrenszene in den letzten Jahren so ausgespuckt hat. Von allen Loob-Bands sind Lichter zwar am nächsten dran am gefälligen Popsong, leicht verdaulich sind sie aber noch lange nicht: Musikalisch haben wir es hier tendenziell mit melancholischem Indie-Pop zu tun. Von der feingeistigen Sorte, versteht sich.

Kunstvoll werden neben den Gitarren auch Tasteninstrumente, Streicher und Glockenspiel geschichtet und verwoben, gern mal abseits der gängigsten Popharmonien kontrapunktisch arrangiert, sodass selbst der große Johann Sebastian seine Freude daran hätte. Versiert ist auch der Gesang, auf ganz natürliche Art und Weise, ohne dabei manieriert oder aufdringlich musikalisch rüberzukommen. Lichter beschäftigen sich eher mit den dunklen Seiten der Gefühlspalette, oft geht es um Vereinzelung, Phlegma, Resignation. Die Betroffenheits-Falle schnappt aber trotzdem nicht zu, denn die Haltung bleibt nüchtern und distanziert. Wie eigentlich immer, wenn es sich bei etwas um große Kunst handelt.

Haben euch eure Eltern früher gezwungen, ganz viel klassische Musik zu hören?

Die erste Jugendliebe unserer Keyboarderin Vera war Beethoven. Ihre Eltern sind klassische Musiker, das hat sie bestimmt beeinflusst. Der Rest von uns hat mit klassischer Musik aber eher wenig Berührung gehabt, sondern hatte eher die typische Rock-Sozialisation mit allen Höhen und Tiefen.

Wie viel musikalische Finesse braucht ein guter Song?
Man kann auch mit zweieinhalb Akkorden wunderbare Songs schreiben, da ist musikalische Finesse erst mal nicht das Wichtigste. Wir mögen aber Popmusik, die sich nicht sofort erschließen muss und auch mal um die Ecke denkt. Immer, wenn es uns zu \"leicht\" wird, werden wir von einer inneren Stimme gezwungen, irgendwo Brüche oder Details einzubauen. Es gibt eben viele Wege zum nächsten Refrain. Wir empfinden das nicht als verkopft oder kompliziert, es ist für uns ganz natürlich.

Und warum seid ihr eigentlich so traurig?
Wir haben eben eine ausgeprägte empfindsame bis grüblerische Seite, die wir in der Musik ausleben. Ein wenig Melancholie hilft auch gegen den ständigen Effizienz- und Gute-Laune-Druck, der einem aus allen Kanälen suggeriert wird. Da kann man getrost mal Nein sagen.

Ihr habt ja mit dem neuen deutschen Produzentenpapst Tobias Siebert von Delbo und Klez.e aufgenommen. Erzählt doch mal, was der so mit euch gemacht hat.

Tobias hat eine sehr intuitive Herangehensweise an Musik. Er schafft es, mit der Band eine große Energie und Intimität einzufangen und dabei immer Entspanntheit auszustrahlen. Wir haben alle Stücke in recht kurzer Zeit live eingespielt, Tobias stand dabei oft mit im Aufnahmeraum und hat getanzt und geheadbangt, während wir gespielt haben. Das war großartig.



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