Gallon Drunk
»The Rotten Mile«
Text:
Martin Büsser
In schöner, geradezu berechenbarer Regelmäßigkeit wählt mich die Intro-Redaktion als Rezensenten für neue Tonträger aus dem Umfeld von Nick Cave aus. Haben sie nicht bemerkt, dass darauf ebenso regelmäßig Verrisse folgen?
Ist das einkalkuliert, oder vielleicht ist diese Serie des Miteinander-Haderns ja auch gewünscht? Mir jedenfalls ist es nun genug. Und um es ein für alle Mal klar zu machen: Nick Cave ist für mein Empfinden eine der reaktionärsten und überflüssigsten Erscheinungen des Popbetriebs. Sein Gemisch aus Misogynie und Altem Testament, weißem Blues und Rock'n'Roll-Koteletten ist nichts als hinterwäldlerischer Redneck-Muff, der sich ideologisch und ästhetisch kein Gramm von Lynyrd Skynyrd unterscheidet.
Das gilt leider auch für nahezu alle Bands und Künstler, die sich in all den Jahren um ihn geschart haben. Mit Ausnahme von Blixa Bargeld (der sich stets seinen eigenen Ansatz bewahrt hat) und Anita Lane (eine der wenigen Frauen in diesem Klüngel) verströmen sie alle den Habitus des \"Meisters\", klingen wie er oder wollen dies zumindest, vermengen Blues mit haarsträubend abgegriffenen Saxofon-Einlagen und paaren Koteletten mit nach hinten gegelten Haaren. So auch Gallon Drunk, die sich nach Jahren mal wieder die Ehre geben. \"They don't sound like anyone else\", soll sich John Peel zu ihnen geäußert haben. Das stimmt nicht. Sie klingen nach Nick Cave und damit wahlweise auch nach der abgegriffenen Standard-Ruppigkeit einer von Irish Pub zu Irish Pub tingelnden Bluesrock-Combo. Genau das Richtige für einen weiteren schlechten Wim-Wenders-Film.
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