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Juri Gagarin

»Energia«

[Audiolith / Broken Silence / VÖ: 18.01.2008 ]

Text: Sebastian Ingenhoff

Pünktlich zum Super-Präsidentschaftswahljahr 2008 in Russland und den USA (gut, dort offiziell erst im nächsten Jahr) feiert der Kalte Krieg ein wahrhaft rauschendes Comeback. Natürlich nicht bei Stern, Spiegel oder Guido Knopp. Sondern zuallererst, wo auch sonst, in der Populärkultur.


Genauer gesagt in der Subkultur, bei den Elektronikpunks aus dem Audiolith-Umfeld. Hier weiß man halt früher Bescheid über Trends, die sich der Politmainstream erst Monate später massenkompatibel unter den Nagel reißen wird. Bezogen Bratze sich zuletzt auf ihrem Album \"Kraft\" affirmativ auf die amerikanisch-imperialistischen Bildungs-Actionfilme der Achtzigerjahre, geht es ihren Labelkollegen Juri Gagarin nun um den brutalst möglichen sowjetkommunistischen Gegenentwurf.

Falls wer es nicht mehr wissen sollte: Juri Gagarin war der erste Mensch im Weltall, schon Jahre, bevor die Amerikaner in ihren Fernsehstudios den Mond nachbauen konnten. Die Lieder auf dem Album der gleichnamigen Band tragen Namen wie \"Sputnik\", \"Baikonur\", \"Abflug\" oder \"Laika\". Laika war ein im Orbit gleichfalls umtriebiges Tier. Das erste Lebewesen überhaupt in Outer Space war nämlich weiblich, russisch und Hund. Hochinteressant, nicht nur aus feministischer, postkolonial-kommunistischer oder tierfreundlicher Perspektive.

Jedenfalls beziehen Juri Gagarin sich auf all das, und dafür kann man ihnen wohl schon mal danken. Die Musik ist der von Bratze ziemlich ähnlich, entspricht also dem, was Punkrocker gemeinhin unter Tanzmusik verstehen. Man bolzt und hackt einfach fröhlich auf den Synthesizern herum. Nur auf Gesang wird dabei verzichtet. Außer bei einem Lied, da steht eine gewisse Friederike Herr hinterm Mikro. Die könnte an ihrem unglamourösen Künstlernamen noch feilen, der klingt nämlich ein bisschen arg nach vierundachtzigjähriger Karnevalskomödiantin. Obwohl, vielleicht ist auch das ja Kalkül. Das ist streng genommen die Platte des Jahrzehnts. Für Leute, die Kartoffelschnaps auf dem Königsberger Schwarzmarkt kaufen. Und wie hat Rocko Schamoni noch gesungen? Wir müssen eine Mauer errichten. Eine Mauer der Liebe.



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