One-Two
»The Story Of Bob Star«
[Four / SonyBMG / VÖ: 07.03.2008 ]
Text:
Martin Riemann
Eine grelle Pop-Oper aus Frankreich. Zwei Typen am Rande der klassischen Zurechnungsfähigkeit. Wenn das nicht große Scheiße ist, dann ist es vermutlich ziemlich geil.
Wörter mit \"quietsch\" vorne dran sind ja aus gutem Grunde verpönt, man denke nur an \"quietschbunt\" oder (noch schlimmer) \"quietschfidel\". Klingt, als hätte Peter Alexander Kreide gefressen. Jetzt müssen diese schrecklichen Wörter trotzdem wieder ran. Wie sonst soll man das Cover von \"The Story Of Bob Star\" beschreiben?!
Ein neongelbes Scherenschnittgesicht nähert sich da in Knutschabsicht einem anderem knalltürkisen Profil. Solche Farbkombinationen gab es bisher nur auf moonwashed Jeans von vor 25 Jahren. Jetzt versuchen es One-Two aus Paris damit. Und die Farben passen zum Sound. Auch der lasert einem förmlich ins Gesicht mit seinen unverhohlenen Hinweisen auf Popgiganten wie Beach Boys, Kinks, Madness und, äh, Rage Against The Machine. An denen kommt in Frankreich wohl momentan niemand vorbei. \"Ils ne sound pas comme RATM!\" rümpfen sonst die Pariser Connaisseure wütend die Nase. Deswegen wird hier vorsichtshalber gleich im Opener der Bombenteppich-Riff von \"Killing In The Name\" reingewirbelt. Warum auch nicht. Es passt jedenfalls super zu den bei Lennon'n'McCartney geklauten Passagen im Song.
Was will man eigentlich mehr? Ein Konzept vielleicht? Kommt sofort. Die Platte ist eine Pop-Oper. In echt jetzt? \"Das ist ein richtiges Konzept\", teilt Frédéric vertrauensvoll mit, während sein Kumpel Séverin vor sich hin kichert: \"Wir hatten sowieso schon zwei Songs, die sich um den Hauptcharakter drehten. Da dachten wir, es wäre eine gute Idee, ein ganzes Album über ihn zu machen. Bob Star ist ein ganz normaler Mittvierziger mit Frau und Sohn. Er lernt ein jüngeres Mädchen kennen und verlässt seine Familie wegen ihr.\" Klingt lustig! Also die Musik dazu. Passt das denn? \"Die Story ist tragisch, aber wir präsentieren sie auf eine lustige Weise.\" Die Frage, ob man sich das so vorstellen könne wie einen der Antoine-Doinel-Filme von Truffaut, wird entschieden bejaht. Ohnehin werden alle abgefragten Einflüsse locker grinsend abgenickt. RATM? \"Wir sind Fans der ersten Platte.\" Madness? \"Klar klingt der Song ›Monday Lane‹ nach Madness. Haben wir hinterher auch gemerkt. Das ist das Gute an einer Oper - man kann alle möglichen musikalischen Stilrichtungen einfließen lassen.\" Klar, und einen quietschfidelen Mash-up abliefern, dem kein Mensch mit Herz und Arsch ernsthaft widerstehen möchte.
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